Einblick in das zwanzigste Jahrhundert

Eine Antwort an Herrn Jamal Safari aus Deutschland
Ein religiöses u. theosophisches Buch der Schule der Schaichi

Vom
Heiligen Weisen,
dem Seligen, dem Märtyrer
Hāddsch Abdolreza Khān Ibrāhīmī
(verfasst im Jahr 1971 n.C.)

Übersetzt von
Dr. Seyed Hossein Riazimand



Heiliger Weiser und großer Schriftgelehrter, der Märtyrer Hāddsch Abdolreza Khān Ibrāhīmī
(1922 – 1979 n.C.)


Anmerkung des Übersetzers:Der folgende Text erläutert die Grundgedanken des Schaichismus.

Bedeutung einiger häufig verwendeter arabischer Worte und Begriffe:

Gott wird als wörtliche Übersetzung für Allah verwendet. Das Wort steht auch für das persische »Khoda«.

Das Wort »Schaich« hat vielerlei Bedeutungen, hier steht es für einen weisen, gelehrten Älteren. Der Plural des Wortes lautet Mashayekh, gemeint ist die Schaichi Gelehrten.

Imam: Spiritueller Führer. Im vorliegenden Text wird der Titel auf den »Führer der Gläubigen«, Alī Ibn Abī Tālib und seine elf Nachfolger angewendet. Nicht zu verwechseln mit »imam«, dem Vorbeter in der Moschee.

Hadith: Berichte und Erzählungen über die Handlungen und Aussagen des Heiligen Propheten und der zwölf Imame, die seine Familie bilden. (Immerwährender Friede sei mit ihnen und ihren Nachfolgern).

Familie: Damit ist die Familie des Propheten Mohammed gemeint, seine Tochter Fatimah, sein Cousin und Schwiegersohn Ali – der Oberhaupt der Gläubigen – sowie ihre elf Nachkommen.

Ethna Aschar: bedeutet im Arabischen Zwölf. Jene, die an die zwölf Imame glauben, werden als Ethna Aschari oder Zwölfer-Imami [Zwölfer-Schiiten] bezeichnet.

Schaichismus (o.Schaikhismus) oder die Schule der Schaichi bezeichnet die Schüler von Scheich Ahmad al-Ahsa’i, Seyyid Kāzim Raschti (möge der Herr sie verherrlichen) und Hāddsch Mohammad Karim Khan Kirmani und jene »gelehrten Älteren«, die ihnen folgten. Das Hauptmerkmal dieser Schule ist, dass all ihre Lehren auf das Heiligen Buch, den Hadith des Propheten Mohammed und seiner Familie beruhen – möge der immerwährende Friede mit ihnen sein.

Kalif: Kalif wird im Heiligen Koran für Vizekönig oder Gottes Stellvertreter auf Erden verwendet. Das Kernzitat im Koran dazu lautet: »O David! Wir haben dich in der Tat zum Vizekönig auf der Erde gemacht, richte daher wahrhaftig unter den Menschen und folge nicht deinen Wünschen, denn diese werden dich von Allahs Weg abirren lassen; jenen, die Allahs Weg verlassen, droht schwere Strafe, da sie den Tag des Gerichts vergessen haben.« (38:26) – Der Titel wurde häufig von muslimischen Herrschern benutzt.

Khilafat: Die Verwaltung oder Herrschaft durch einen Kalifen.

FLGF: »Der Friede und das Lob Gottes mögen mit ihm und seiner Familie sein!«. Lobpreisformel, die stets auf die Erwähnung des Heiligen Propheten Mohammed folgt.

FSMI: »Friede sei mit ihm (oder mit ihnen)!« Folgt stets bei der Erwähnung eines der zwölf Imame.

Hujjat: Bezeichnet für gewöhnlich Beweis oder auch einen spirituellen Führer. Auf den zwölften Imam (FSMI) angewandt, bedeutet das Wort die Person, deren Rolle durch Gott bestätigt wurde. Daher wird er auch als Hazrat Hujjat, »Seine Eminenz, der Bestätigte« bezeichnet.

Seele und Geist: Im Hebräischen heißt Seele »ruach«, im Arabischen »rooh«. Die »Seele« wird dem Embryo im vierten Monat zuteil. Sie setzt sich aus unterschiedlichen Kräften zusammen, die in verschiedenen Lebensaltern vorherrschen können. Die erste dieser Kräfte wird als »jamadi« oder »mineralische Seele « bezeichnet – sie gibt allem Leblosen seine Form. Die zweite als »nabati« oder »pflanzliche Seele« – sie belebt alles Lebendige. Die dritte als »heyvani« oder »tierische Seele« – sie verleiht allen Tieren Bewusstsein und Begierde. Schließlich gibt es die »denkende Seele« oder »Geistseele« usw.


Inhaltsverzeichnis

Seite

Herr Safari hat geschrieben: »Ich will selbst über meine Religion und meinen Glauben entscheiden.
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Herr Safari hat geschrieben: »Heutzutage darf man nichts auf blinden Glauben und ohne gute Beweise oder Gründe annehmen.
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Herr Safari hat geschrieben: »Mit diesem Ziel vor Augen begann ich meine Suche. Im Augenblick studiere ich die Schaichīsmus. Bisher habe ich drei Bücher gelesen, die ihn verurteilen. Sie bezeichnen ihn sogar als ›Agenten des Kolonialismus‹, aber ich kann die Ansicht der Autoren nicht akzeptieren
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Herr Safari hat geschrieben: »Ich bin sicher, dass sie mir freundlicherweise ein Buch schicken werden, das die Wahrheit darstellt und den Schaichismus als den richtigen Weg beschreibt
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Herr Safari hat geschrieben: Bitte teilen Sie mir ihre Ansichten über den heutigen Iran und die Lage der Welt im 20. Jahrhundert mit. Dies ist für mich von großer Bedeutung.
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Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Lob und Preis sei Gott und gegrüßt seien seine auserwählten Diener!

So sage ich, Gottes bescheidener Diener, Abdolreza, Sohn des Abu’l-Qāsim, Sohn des Zayn al-ʿĀbidin, dass ich einen Brief von Jamal Safari erhielt, einem Iraner, der in Deutschland lebt. Er enthält einige Fragen zur angesehenen Schule der Schaichī. Zuerst wollte ich den Brief nur kurz beantworten. Dann aber dachte ich, die Antwort könnte vielen hilfreich sein, die sich für religiöse Fragen interessieren. Daher entschied ich mich für eine ausführlichere Antwort, in der Hoffnung, sie werde dem Verfasser des Briefes und vielen anderen, die ähnliche Fragen haben, weiterhelfen. Ich werde die Fragen im Wortlaut wiedergeben und dann meine Antwort anschließen – »denn es gibt keine Macht und keine Stärke außer in Gott      و لا حول و لا قوة الا بالله

Herr Safari hat geschrieben: »Ich will selbst über meine Religion und meinen Glauben entscheiden.«

Antwort: Sie haben eine sehr gute Entscheidung getroffen, die ihnen sowohl in dieser Welt als auch in jener Welt hilfreich sein wird. Gottes Religion für die Gegenwart ist der »Islam«. Die früheren Religionen – das Judentum oder das Christentum zum Beispiel – entsprachen ihrer Zeit und ihre von Gott gesandten Propheten waren die Propheten ihrer Zeit. Der letzte von Gott gesandte Prophet war Mohammed, der Sohn des ʿAbd Allāh (FLGF), der die letzte von Gott gesandte Religion verkündet hat. Sein Buch ist das letzte von Gott geoffenbarte Buch. Was der Prophet als »halāl« bezeichnet hat (was man benutzen, essen und tun darf) ist »halāl« bis zum Tage der Auferstehung, und was er als »harām« bezeichnet hat (was man nicht nutzen, essen oder tun darf) ist »harām« bis zum Tage der Auferstehung.

Wie schon der Prophet Mohammed vorausgesagt hat, ist seine Umma (sein Volk) in 73 Glaubensgemeinschaften aufspalten, aber nur eine davon ist rechtmäßig. Und diese eine, rechtmäßige Gemeinschaft ist die der »Esna Ascharieh-Schiiten« (jener, die an die zwölf Imame oder Nachfolger des Propheten glauben und ihnen nachfolgen). Die anderen Gemeinschaften sind dem Irrtum verfallen. Die »Esnah Ascharieh-Schiiten« glauben, dass der getreue Imam ʿAlī (FSMI), das »Oberhaupt der Gläubigen« (Amir al-Mu’minin), der rechtmäßige Nachfolger des Propheten war und nach ihm seine elf Nachkommen, die als Imame der Muslime gewirkt haben und dass der zwölfte, letzte Imam im Verborgenen lebt. Wenn die Zeit gekommen ist und Gott es für richtig befindet, wird dieser zwölfte Imam sich selbst offenbaren und allen Menschen Gerechtigkeit bringen.

Wenn Sie also selbst über ihre Religion entscheiden wollen, dann müssen Sie Gottes Religion, den Islam, wählen und innerhalb des Islam den rechtmäßigen Glauben, jenen der Nachfolger der zwölf Imame, die »Esna Ascharieh-Schiiten«.

Herr Safari hat geschrieben: »Heutzutage darf man nichts auf blinden Glauben und ohne gute Beweise oder Gründe annehmen.«

Antwort: Zweifellos gilt dieser Grundsatz nicht nur heute, sondern jederzeit. Man sollte nie etwas ohne gute Gründe annehmen. Denn Gott betrachtet den Beweis als Zeichen der Wahrheit. In seinem Buch (Koran) heißt es: »Bringt euren Beweis herbei, wenn ihr wahrhaftig seid!« (27:64) قل هاتوا برهانكم ان كنتم صادقين

Gott hat dem Menschen die Vernunft gegeben, durch die er allgemeine Grundsätze erfassen kann und diese Vernunft ist sein innerer Führer, der ihn auf den rechten Weg bringt.

Gott hat aber auch einzelne Menschen als seine lebendigen Zeugen oder Beweise (Hujjat) auserwählt, um in untergeordneten religiösen Fragen als Führer zu dienen. Nachdem wir die allgemeinen Grundsätze und Ideen verstanden haben, müssen wir diese Menschen (Hujjat) an ihren besonderen Eigenschaften erkennen – und mit Gottes Hilfe sind wir auch imstande, sie durch unsere leiblichen Sinne zu erkennen. Dann aber können wir von ihnen Rat in untergeordneten religiösen Fragen erhalten, auf den wir angewiesen sind, da unsere Vernunft für gewöhnlich nicht vollkommen ist und nicht ohne weiteres die richtigen Antworten auf diese Fragen finden kann. Wie leicht wir uns irren, zeigt sich schon daran, dass wir in solchen Fragen unterschiedlicher Meinung sind. Der eine liebt, was der andere verabscheut. Der Grund für diese mangelnde Übereinstimmung ist die Unvollkommenheit der menschlichen Vernunft. Um uns vor Irrtümern zu schützen, sollten wir unsere vermeintlichen Einsichten an den Erkenntnissen eines wahrhaft Weisen messen, der seine Vernunft vervollkommnet hat. Aber da die Vernunft das Auge der Seele ist, vermögen wir sogar die allgemeinen Grundsätze richtig zu verstehen, auch wenn wir uns in Einzelheiten irren – ebenso, wie wir mit den Augen des Körpers allgemeine Eindrücke erfassen können, auch wenn wir Einzelheiten nicht wahrzunehmen vermögen.

Manche Menschen haben ein gutes Sehvermögen, andere nicht. Denkt an zwei Menschen, die in der Nähe eines Berges stehen: Beide sehen den Berg, weil er riesig ist. Der eine aber, mit scharfen Augen, kann auch einzelne Büsche und Felsen erkennen, während der andere diese Einzelheiten nicht zu erkennen vermag; er sieht vielleicht nur die größeren Felsen oder Sträucher. Jemand, der noch schwächere Augen hat, sieht nicht einmal die.

Nun, grundlegende Prinzipien der Welterkenntnis, wie die Notwendigkeit eines Schöpfers, sind allen Menschen einsichtig, mögen sie nun eine stärker oder weniger stark geschulte Vernunft besitzen. Denn um einzusehen, dass ein Gebäude jemandes bedarf, der es errichtet, benötigt man nicht viel Vernunft, ebensowenig, wie man eine auserlesene Intelligenz benötigt, um einzusehen, dass die so komplexe und gut organisierte Welt eines Schöpfers bedarf, der sie ins Dasein gerufen hat. Dass sie sich selbst geschaffen hat, wird kaum jemand behaupten. Wenn man aber die Ordnung und Weisheit betrachtet, die diese Welt durchdringt, kann man leicht begreifen, dass der Schöpfer dieser Welt allwissend, allmächtig und weise sein muss und dass er sie nicht aus einer Laune heraus hervorgebracht hat.

Alle denkenden Wesen können diese grundlegenden Prinzipien begreifen, man kann sogar zum Ergebnis kommen, dass der allwissende Schöpfer mit der Erschaffung des Menschen ein bestimmtes Ziel verfolgte, das den Menschen zunächst nicht bewusst war. Daher musste der allmächtige Schöpfer, der den Menschen anfangs unwissend geschaffen hat, die Menschheit irgendwie über seine Absichten unterrichten. Aber da die Sinne des Menschen nicht geeignet sind, die Anordnungen Gottes unmittelbar zu erkennen, müssen sie durch einen Menschen belehrt werden, der zu ihnen sprechen kann, der einen Körper besitzt wie sie und so weise ist, dass er Gottes Anordnungen erkennen, andere auf sie aufmerksam machen und sie ihnen erklären kann.

Offensichtlich vermögen Steine, Pflanzen und Tiere diese Aufgabe nicht zu erfüllen, da sie nicht mit Vernunft begabt sind und – abgesehen davon – auch nicht sprechen können. Notgedrungen muss dieser Gesandte also ein Mensch sein wie wir. Da aber manche Menschen ehrenhaft sind und andere lügen, kann es sein, dass jemand zu Unrecht behauptet, der Gesandte des Schöpfers zu sein. Da Gott möchte, dass die Menschen das wahre Wort empfangen, muss er seinem Gesandten gewisse Eigenschaften mitgeben, aufgrund derer sie ihn erkennen und seinen Worten Glauben schenken können. Es muss zweifelsfrei erkennbar sein, dass er über eine höhere Weisheit als andere verfügt und über gewisse Fähigkeiten, den Willen Gottes zu erkennen. Und aufgrund seiner Verbindung zu Gottes Willen muss er auch über Kräfte verfügen, die ihn vor allen anderen auszeichnen.

Trotz alledem muss er durch Gott bestätigt werden und wenn er nicht der wahre Bote ist, dann wird Gott ihn entehren und blamieren. Der bestätigte Gesandte dagegen wird als »Prophet« bezeichnet – als jemand, der uns Gottes Willen offenbart und unsere Gebete an ihn weiterleitet.

Die menschliche Vernunft – mag sie auch nur bescheiden entwickelt sein – vermag zwei Dinge mit Sicherheit zu erkennen:

dass es einen weisen und allmächtigen Gott gibt, der uns nicht ohne Grund erschaffen hat,

dass er einen Propheten senden musste, der den Willen Gottes erkennt und weiß, was er verboten hat, der uns zu jenem Ziel führen kann, um dessentwillen wir geschaffen wurden, und der außerdem durch gewisse Zeichen als solcher bestätigt wird.

Aber, wie dieser Prophet heißen, wo er sich aufhalten oder wie er aussehen wird, das kann eine unvollkommene Vernunft nicht erkennen, und daher müssen wir uns gedulden, bis er sich als solcher zu erkennen gibt.

Unserer Vernunft verdanken wir die zwei genannten Einsichten und wir können diese als Grundlage unseres Glaubens betrachten. Von hier aus können wir zu forschen beginnen und wir werden prüfen müssen, ob diese Ergebnisse unseres Denkens mit den Tatsachen übereinstimmen und ob tatsächlich solche Menschen in der Welt erschienen sind.

Unsere Nachforschungen ergeben, dass es tatsächlich solche Menschen gegeben hat, die behaupteten, Gottes Gesandte zu sein, Menschen, die Wunder bewirkten und durch andere Zeichen bezeugten, dass ihre Ansprüche rechtmäßig waren. Sie sind außerdem durch Gott bestätigt worden. Er hätte sie der Lächerlichkeit preisgeben können, was er aber nicht getan hat, vielmehr sammelten sich viele Menschen um sie und folgten ihren Belehrungen.

Aus all dem geht für uns hervor, dass Propheten wie Moses, Jesus und Mohammed, der Sohn des ʿAbd Allāh (Gottes immerwährender Friede sei mit ihm), alle rechtmäßig und von Gott gesandt waren.

Und wir wissen auch, dass der letzte dieser Propheten sich nicht nur durch Wunder und Zeichen als solcher bezeugt hat, sondern uns auch ein Buch brachte, das den Namen Heiliger »Koran« trägt.

Er sagte, der »Koran« sei das Wort Gottes und für sich genommen schon ein Wunder und niemand anderes vermöge Vergleichbares zu schaffen. Und in der Tat: in den fast vierzehn Jahrhunderten, die seitdem verstrichen sind, hat niemand etwas Vergleichbares hervorgebracht. Der »Koran« würdigt die vorangegangenen Propheten und berichtet von Mohammeds eigenen Wundertaten. Niemand hat diese damals bestritten. Einige sprachen zwar von Zauberei, aber niemand hat jemals die Behauptung widerlegt, dass kein Anderer etwas dem »Koran« Vergleichbares schaffen könne.

Es gibt keinen Grund, die von ihm bewirkten Wunder als Zauberei zu betrachten und jene, die dies behaupteten, brachten keinerlei Beweise für ihre Behauptungen vor. Wären sie Zauberwerk gewesen, hätte Gott sie zweifellos verworfen – aber nichts dergleichen ist geschehen. Abgesehen davon liegt uns sein immerwährendes Wunder, der »Koran« vor, und trotz all ihrer Anstrengungen haben all seine arabisch sprechenden Feinde in den letzten vierzehn Jahrhunderten nicht Vergleichbares zu schaffen vermocht.

Wenn wir all dies bedenken, dürfen wir von der Wahrhaftigkeit seiner Worte überzeugt sein und auch davon, dass er ein von Gott gesandter Prophet ist.

Die Religion, die er brachte, setzte alle anderen außer Kraft und er ist der letzte der Propheten – mit anderen Worten: Mit ihm endet die Offenbarung durch Propheten. Seine Religion ist die letzte aller Religionen. Auch wenn alle vorangegangenen Propheten Gesandte Gottes waren, verlor ihre jeweilige Religion bei der Ankunft des folgenden ihre Gültigkeit und wer bewusst Anhänger des vorangegangenen blieb, befand sich auf dem Irrweg, da er die Rechtmäßigkeit seines Nachfolgers leugnete. In Wahrheit war er ungehorsam gegen Gott und seine Handlungen waren wertlos.

Auf der Grundlage dieser Überlegungen und Argumente können wir zwei Grundsätze der Religion als bewiesen betrachten: dass es einen »Gott« gibt und dass er einen Propheten namens »Mohammed, Sohn des ʿAbd Allāh« (FLGF) gesandt hat, der sein Sprecher ist und uns über seinen Willen und darüber in Kenntnis setzt, was wir unterlassen sollen.

Damit anerkennen wir auch alle Eigenschaften Gottes, die er ihm zugeschrieben hat, wie Gerechtigkeit, Allmacht, Allwissenheit, Herrschaft und alle weiteren, von denen er uns berichtet hat, ob wir sie nun beweisen können oder nicht. Und wenn wir etwas finden, das unserer Vernunft widerspricht, dann müssen wir unsere Vernunft verwerfen, und seinem Wort folgen, da wir unserer unvollkommenen Einsicht nicht zumuten dürfen, dass sie alles bis ins kleinste Detail begreift. Wir wissen aus Erfahrung, dass wir schon manches in den Wissenschaften oder auf anderen exoterischen Gebieten nicht verstehen, das hingegen andere verstehen und wir können uns sogar in diesen Dingen irren.

Wenn wir uns aber schon in den Dingen dieser Welt irren können, geschweige denn in esoterischen Angelegenheiten, dann ist es das sicherste, wenn wir unsere eigene Vernunft zum Schweigen bringen, und stattdessen dem Propheten Gottes folgen, der vollkommene Einsicht und vollkommene Weisheit besitzt und dem außerdem Gottes Offenbarungen zuteil werden. Daher sollten wir alles, was er uns über esoterische Fragen berichtet hat, wie den Tag der Auferstehung, den Himmel, die Hölle, Belohnung und Bestrafung und religiöse Pflichten bedingungslos annehmen. Wenn wir Einzelnes davon verstehen, dann danken wir Gott, dass er uns die nötige Einsicht gegeben hat und wenn wir anderes nicht verstehen, dann nehmen wir auch dieses an und glauben es. Und wir beten zu Gott, er möge unsere Einsicht erweitern und die Augen unseres Geistes erleuchten, auf dass wir besser verstehen können. Aufgrund dieser Überlegungen schließen wir, dass es unsere Pflicht ist, Gottes Buch und der Verkündigung seines Propheten Folge zu leisten.

Wenn wir aber dieses Buch Gottes näher betrachten, dann stellen wir fest, dass es ein relativ dünnes Buch ist, trotzdem Gott gesagt hat, »alles« sei in ihm enthalten. Schon der Umfang des Buches legt nahe, dass es nicht alle Anordnungen und Gegenstände dieser Welt enthalten kann. So ist nicht alles auf Anhieb erkennbar, aber es ist im Koran enthalten; seine innere esoterische Bedeutung und Auslegung kennen Gott allein und die von ihm Belehrten. Wenn wir feststellen, dass wir nicht alles unmittelbar aus dem Koran verstehen können, dann begreifen wir, dass uns Gottes Buch heute alleine nicht genügt, und dass wir nicht all unsere Fragen in ihm beantwortet finden. Wir finden nicht einmal die genauen Vorschriften zu den Gebeten, von denen im Koran die Rede ist.

So heißt es etwa im Koran, wir sollten täglich beten. Aber es wird nicht deutlich beschrieben, wie wir beten sollen und wie viele »rakat« (Gebetseinheit, bestehend aus Stehen, Beugen und Berühren der Erde mit der Stirn) wir bei jedem Gebet durchführen sollen oder was bei jedem »rakat« gesagt werden muss. Die einzige Lösung für dieses Problem besteht darin, dass wir uns an die Worte des Propheten halten, da er allein die Bedeutung jeder Einzelheit kennt. Nicht nur wir, sondern auch andere verstehen diese Dinge nicht richtig, und wenn wir uns auf das verlassen, was andere sagen, wissen wir nicht wirklich, ob sie diese Dinge richtig verstanden haben. Es gibt deshalb keinen überzeugenden Grund, jemandem zu folgen, dessen Verständnis der Bedeutungen des Koran genauso unvollkommen ist wie unser eigenes und der unseren Mangel an Wissen über den Willen Gottes teilt.

Die einzige Lösung für dieses Problem besteht also darin, uns an die Anweisungen des Propheten, die sogenannte Überlieferung (»Sunnat«) zu halten. Wir müssen jedoch berücksichtigen, dass der Prophet nach seiner Berufung nur noch dreiundzwanzig Jahre gelebt hat. Die ersten dreizehn Jahre verbrachte er – zusammen mit einigen wenigen Anhängern –meist im Exil  ohne Festen Wohnsitzt. Dann zog er von Mekka nach Medina, wo er den größten Teil der verbliebenen zehn Lebensjahre mit Kämpfen gegen Heiden beschäftigt war. Manche Historiker sprechen davon, dass er in dieser kurzen Zeit mit bis zu achtzig Schlachten konfrontiert war, d.h. mit einer Schlacht alle 45 Tage, was sehr wenig Zeit übrig lässt, allen Menschen sämtliche Anordnungen und Regeln Gottes mitzuteilen, die bis zum Tag des Gerichtes gelten sollen.

Nicht mehr als 4000 Hadith des Propheten (FLGF) sollen überliefert sein; offensichtlich reichen auch diese nicht aus, um alle religiösen Fragen zu beantworten. Wir müssen anerkennen, dass der Prophet Gottes, der gesagt hat, seine Religion werde bis zum Tag des Gerichts bestehen bleiben, nicht alle Regeln und Anweisungen zu geben vermochte, und auch wenn das Buch Gottes, das er uns hinterlassen hat, alle allgemeinen Fragen und Anweisungen abdeckt, so können wir doch nicht viel davon verstehen. Was hat er seinen Anhängern also für Anweisungen hinterlassen?

Wir müssen herausfinden, was wir tun sollen und wie diese Religion bis zum Tag des Gerichts bestehen bleiben kann; Gottes Buch ist kurz und wir finden darin nicht alle Antworten, es sind nicht genügend Erzählungen überliefert – was also sollen die Menschen tun?

Zuerst müssen wir in seinen Anweisungen suchen. Wenn wir dort die Antwort nicht finden, dann werden wir sein Prophetentum zu Recht anzweifeln. Denn, wenn jemand behauptet, seine Religion werde bis zum Ende der Tage dauern und er sei der Bote Gottes, aber nicht alle Regeln verkündet und den Menschen nicht mitteilt, wie sie sich nach seinem Tode verhalten sollen, kann er weder als weise betrachtet werden, noch als Gottes Bote.

Aber wenn wir seine Ansprachen untersuchen, stellen wir fest, dass dies nicht der Fall ist, dass er nicht versäumt hat, sein Volk zu führen und für die Zeit nach seinem Tod Anweisungen zu erteilen. Vielmehr hat er den Willen Gottes fehlerlos übermittelt und sein Prophetentum vollumfänglich kundgetan. Kurz vor seinem Tod, bei seiner Rückkehr von der letzten Pilgerreise nach Mekka, rief er nach einem Bericht die etwa über hunderttausend Menschen, die ihn begleiteten, zusammen, um eine Versammlung an einem Ort abzuhalten, der »Ghadīr Chumm« genannt wird (غديرخم ). Hier sprach er die Frage der Nachfolge an und setzte ʿAlī (den Sohn des Abī Tālib) als Interpreten des Buches Gottes und als Führer der Menschen nach seinem Tod ein.

Der Prophet sagte: »Seid euch dessen bewusst, dass es mehr Dinge gibt, die erlaubt und verboten sind, als ich aufzählen oder erklären kann. Ich kann auch nicht alles benennen, was erlaubt oder verboten ist. Aber ich wurde angewiesen, euch einen Treueeid gegenüber ʿAlī abzunehmen und ein Bekenntnis zu dem, was ich euch über ʿAlī, das Oberhaupt der Gläubigen, und die Imame (FSMI), die auf ihn folgen werden, erzählt habe. O, denkt aufmerksam über die »mohkamat«-Verse (die grundlegenden Verse) des Buches Gottes nach und versucht sie zu verstehen. Denkt aber nicht über die »motaschabehaat«-Verse (die mehrdeutigen Verse) nach und versucht nicht, euer Handeln nach ihnen zu richten. Hiermit bezeuge ich vor Gott, dass niemand besser erklären kann, was das Buch verbietet, und dass niemand es besser deuten kann, als der, dessen Hand ich hier halte.« In derselben Ansprache sagte er: »Jedesmal, wenn Gott mir etwas gebot oder verbot, gab ich ich dies auch an ʿAlī weiter. Er kennt alle Gebote und was durch Gott den Allmächtigen verboten wurde – so hört auf ihn und gehorcht ihm.«

Und er fügte hinzu: »Oh ihr Menschen, der allmächtige Gott hat mich angewiesen, ʿAlī unter euch als Vorbild aufzurichten, als Imam, als meinen Nachfolger und als Vollstrecker meines Willens und ihn zu meinem Bruder und Stellvertreter zu machen. Wessen Herr ich bin, dessen Herr ist auch ʿAlī. O Gott, liebe und hege einen jeden, der ihn liebt und hegt, unterstütze jeden, der ihn unterstützt, sei der Feind eines jeden, der ihn anfeindet.«

Ibn Maghazeli, ein sunnitischer Gelehrter, hat berichtet, dass ʿUmar, der Sohn des al-Chattāb (der zum zweiten Kalifen werden sollte), zu ʿAlī, dem Führer der Gläubigen nach der Ansprache Mohammeds folgendes sagte: »Selig sei, selig sei, o Sohn Abī Tālibs, dass Du zu meinem Herrn und zum Herrn eines jedes rechtgeleiteten Mannes und jeder rechtgeleiteten Frau erwählt wurdest.« Daraufhin wurde dem Propheten Mohammed eine Offenbarung zuteil, in der Gott sagte: »Heute habe ich meine Religion an euch vollendet und meine Gnade an euch vervollständigt und den Islam zu eurer Religion bestimmt.« (5:3)

اليوم اكملت لكم دينكم و اتممت عليكم نعمتي و رضيت لكم الاسلام دينا

Der »Hadith von Ghadīr Chumm« ist nur einer von Hunderten von Hadith des Propheten, in denen er über die Nachfolge ʿAlīs, des Anführers der Gläubigen (Amir al-Mu’minin), gesprochen hat. Dieser Hadith wird von Schiiten und Sunniten gleichermaßen überliefert.

Von Ibn Shahr Ashoob wird erwähnt, dass es über tausend Bücher von älteren wie auch jüngeren Autoren gibt, in denen dieser Hadith von den unterschiedlichsten Zeugen erzählt wird, darunter auch einige heute noch oder wieder erhältliche, wie das »Abghat-ol-Anvar« الانوار  عبقات , das aus einer Reihe von Bänden besteht, oder das großartige »Ghayat-ol-Maram« المرام      غاية , die alle diesem Hadith, seinen unterschiedlichen Überlieferungsformen und Zeugen gewidmet sind, zu denen sowohl Schiiten als auch Sunniten gehören.

Für ein ausgewogenes Urteil kann kein Zweifel darüber bestehen, dass der Prophet sein Volk nicht im Ungewissen gelassen, sondern seinen Nachfolger durch jene Handlung eingeführt hat, welche die Religion Gottes vollendete und Gott gefiel. So sehen wir die Forderung der Vernunft – dass der Prophet einen Nachfolger haben muss, der Gottes Anweisungen kennt – durch die Berichte bestätigt, die überliefern, dass dies tatsächlich geschehen ist, und indem wir diese beiden Erkenntnisquellen – die Vernunft und die Überlieferung – miteinander verknüpfen, erlangen wir die Einsicht, dass der Nachfolger des Propheten seine Heiligkeit der Anführer der Gläubigen – ʿAlī, der Sohn Abī Tālibs ist (FSMI).

Andererseits wissen wir aber auch, dass andere Personen, welche die Rolle des Propheten beanspruchten, von Gott entehrt worden sind und dass die Ungültigkeit ihres Anspruchs für jedermann sichtbar wurde. So war zum Beispiel der erste, der Anhänger um sich sammelte, und sich selbst nach dem Tod des Propheten als »Kalif« bezeichnete, Abū Bakr, der jedoch keinerlei Beweis für diesen Anspruch hatte, – während Gott doch gesagt hat, der Beweis bestehe darin, dass jemand die Wahrheit sage. In seinem Buch sagt er: »Bringt euren Beweis herbei, wenn ihr wahrhaftig seid!« (27:64)

Abū Bakr hatte aber keinen Beweis, daher war er nicht wahrhaftig. Er brachte zu seiner Verteidigung lediglich einen Hadith des Propheten vor, der lautet: »Meine Anhänger werden sich nicht versammeln und der Bestechung zustimmen«. Aber selbst dies half nicht, weil sich die Muslime über seine Rolle als Kalif nicht einig waren.

Dagegen hatte der Prophet in zahlreichen Hadith die überragende Bedeutung ʿAlīs, des Anführers der Gläubigen unterstrichen. Und diese überwältigende Fülle an Beweisen zwang Abū Bakr, dessen Bedeutung anzuerkennen. Viele Male soll er von der Kanzel herab gesagt haben: »Lasst mich in Ruhe, lasst mich in Ruhe! Solange ʿAlī unter uns weilt, bin ich nicht der beste!« Nun also: Wenn er wahrhaftig war, warum beanspruchte er den Vorrang vor ʿAlī? Und wenn er gelogen hat: Was für eine Art von Kalif war er dann?

Nach ihm beanspruchte ʿUmar die Rolle des Kalifen. Er behauptete, Abū Bakr habe ihn zu seinem Nachfolger bestimmt. Das ist nicht akzeptabel, da Abū Bakr seinerseits behauptet hatte, vom Volk gewählt worden zu sein. Was gab ihm das Recht, einen Kalifen für die Muslime zu bestimmen? Wer hatte ihm diese Vollmacht verliehen? Ganz gewiss empfing er keine göttliche Offenbarung. Der Prophet hatte ihn weder zum Kalifen ernannt, noch ihm die Erlaubnis erteilt, den nächsten Kalifen zu bestimmen.

Ferner: Selbst wenn die Gemeinschaft das Recht hatte, den nächsten Kalifen zu wählen – wo erteilte sie ihm diese Vollmacht? Nachdem ʿUmar seine Stellung gesichert hatte, erstieg er die Kanzel und verkündete: »Der Treueschwur gegenüber Abū Bakr war ein Fehler, eine gedankenlose Handlung, ein »felteh«, und jeder, der diesen Fehler wiederholt, wird zum Tode verurteilt werden.« Wenn also nach Ansicht des zweiten Kalifen, der vom ersten Kalifen ernannt worden war, der Treueschwur gegenüber dem ersten ein Irrtum war, und wenn ein jeder, der solche Treue bewies, hingerichtet werden sollte, was hatte dann der erste Kalif für ein Recht, den zweiten zu ernennen?

Nun, falls ʿUmar die Wahrheit sagt, dann wäre sowohl sein eigenes Kalifat als auch das von Abū Bakr ungültig. Und wenn er lügt, dann ist er kein Kalif, weil der Stellvertreter Gottes auf Erden nicht lügt. ʿUmar soll auf der Kanzel auch gesagt haben: »Ich bin von einem Dämon besessen. Wenn er mich auf Abwege führt, müsst ihr mich korrigieren. Und jedes Mal, wenn ich mich irre, müsst ihr mich berichtigen«. Nun, was ist das für ein Kalif, der von einem Dämon besessen ist, und der seine Anhänger darum bittet, ihn auf den rechten Weg führen?

Auch der folgende Kalif ʿUthmān beanspruchte sein Kalifat aufgrund einer zweifelhaften Entscheidung. ʿUmar wählte sechs Männer aus, die seinen Nachfolger bestimmen sollten und befahl einem Leibwächter, alle sechs zu töten, falls sie sich nicht auf einen Nachfolger einigen sollten. Mit welchem Recht traf ʿUmar diese Entscheidung? Was gab ihm das Recht, die Tötung der sechs Wahlmänner zu verfügen, sollten sie sich nicht einigen können? Welches Recht hatte dieser Mann, der den Treueschwur gegenüber Abū Bakr als Irrtum bezeichnet hatte und der – da er selbst von Abū Bakr ernannt worden war – sowohl Abū Bakrs als auch sein eigenes Kalifat für nichtig erklärt hatte, – welches Recht hatte dieser Mann, auf diese absonderliche Weise einen Kalifen für alle Muslime zu bestimmen? Abgesehen von all dem war ʿUthmān äußerst grausam und eignete sich fremden Besitz an, sodass die Muslime gegen ihn rebellierten und ihn töteten.

Nun, die Handlungen und Aussagen dieser Kalifen zeugen von der Ungültigkeit ihrer Ansprüche. Auf diese Weise brachte Gott Schande über sie. Aber ʿAlī, der Anführer der Gläubigen, der aufgrund einer göttlichen Offenbarung zum Nachfolger des Propheten bestimmt worden war, erhob keine zweifelhaften Ansprüche und bevorzugte niemanden. Im Gegenteil, sein Verhalten war nicht nur für Muslime, sondern für alle Weisen vorbildlich. Es gibt keinen einzigen Hinweis auf eine Unrechtmäßigkeit seiner Stellung als Kalif und Imam.

Nun, sowohl die Vernunft als auch die Hadith besagen, dass der Prophet einen Nachfolger benötigt, und die Hadith beweisen, dass der Prophet ʿAlī, den Anführer der Gläubigen zu seinem Nachfolger und Kalifen berief. ʿAlī selbst erklärte, er sei der wahre Nachfolger. Keinerlei Beweis wurde für die Unrechtmäßigkeit dieses Anspruchs vorgebracht. Gott bestätigte ihn und offenbarte die Unrechtmäßigkeit der anderen Aspiranten auf das Kalifat. Jeder, der nicht parteiisch ist, wird anerkennen, dass ʿAlī der wahre Nachfolger des Propheten ist, dass seine elf Nachkommen, wie vom Propheten festgelegt, nacheinander Kalifen werden mussten und dass dieses Amt auf den letzten übergehen musste, der aus uns unbekannten Gründen im Verborgenen lebt und auf den Augenblick wartet, um sich uns zu offenbaren.

Die Tatsache, dass der zwölfte Imam als lebendiger Zeuge Gottes auf Erden lebt, ist für die Zwölfer-Schiiten einer der wichtigsten Beweise dafür, dass sie sich auf dem richtigen Weg befinden. Im Gegensatz zu uns besitzen die Sunniten keinen Kalifen – nicht einmal einen unrechtmäßigen. Und die anderen Schiiten besitzen keinen lebenden Imam. Sie müssen zugestehen, dass es für sie keinen Mittler zwischen Gott und den Menschen gibt, dass die Verbindung unterbrochen ist, und es keinen Weg zu Gott gibt. Aber die Zwölfer-Schiiten, die an den lebendigen Imam glauben, glauben auch daran, dass er sie sieht und hört. Sie sind überzeugt, dass er die Religion beschützt. Sie leben ihre Religion in der sicheren Erkenntnis und Überzeugung, dass er sie beschützt. Sie sind die einzigen Menschen auf Erden, die sich auf dem rechten Pfad befinden. Durch diese Argumentation ist der dritte Grundsatz unserer Religion, die »Anerkenntnis der Imame« bewiesen.

Erneut erkennen wir, dass alles wahr ist: Der Prophet lebte auf Erden, aber er ist verstorben, seine elf Nachfolger sind ebenfalls verstorben und der zwölfte lebt im Verborgenen und niemand vermag sie zu erreichen – was also sollen wir tun?

Wenn Gott diese Menschen gesandt hat, um uns seinen Willen kundzutun, und wenn unsere Religion »bis zum Tage der Auferstehung« bestehen bleiben soll, dann müssten unsere Pflichten für die Zeit in der wir leben, festgelegt sein und es ist nicht denkbar, dass wir ohne alle Wegleitung zurückgelassen worden sind. Also greifen wir zu ihren Lehren und Hadith und stellen fest, dass sie uns klare Anleitungen gegeben haben. Der zwölfte Imam (Hazrat Hujjat) hat, bevor er sich unseren Blicken entzog, in einem Brief geschrieben, dass: » ... ihr bezüglich der Dinge, die geschehen, die Erzähler unseres Hadith, die von mir bestätigt worden sind, konsultieren sollt, und ich wurde von Gott bestätigt.«

الوسائل ج 18 ص 101

اما الحوادث الواقعة فارجعوا فيها الي رواة حديثنا فانهم حجتي عليكم و انا حجة الله

Wir müssen uns also an die Erzähler, die Zeugen des Hadith halten. Aber die Sache ist immer noch nicht sonderlich klar. Müssen wir jeden, der ein Buch aufschlägt, und uns einen Hadith vorliest, als jemanden betrachten, der durch den Imam bestätigt wurde, oder müssen zusätzliche Bedingungen erfüllt sein?

Wenn wir weiter nachforschen, stoßen wir auf einen anderen Brief Hazrat Hujjats, in dem es heißt: »Es gibt keinen Grund für irgendeinen unserer Freunde, den Hadith, den unsere Vertrauten mitteilen, anzuzweifeln oder in anderen Zweifel zu säen. Diese Berichterstatter sind von uns bestätigt und wir haben sie durch die Mitteilung unserer Geheimnisse zu Verbündeten gemacht, so dass sie diese Geheimnisse unseren Freunden überbringen können.

لا عذر لاحد من موالينا في التشكيك فيما يرويه عنا ثقاتنا قد عرفوا بانا نفاوضهم سرّنا و نحمّلهم اياه اليهم

Wir sollten uns also nur auf verlässliche und vertrauenswürdige Erzähler stützen. Und wenn wir weiter forschen, finden wir im genannten Hadith eine andere Aussage des elften Imam, Hasan al-ʿAskarī (FSMI), die lautet: » ... die Menschen sollten jenen Theologen folgen, die ihr ›inneres Selbst‹ beherrschen, ihre Religion beschützen, ihre Begierden zügeln und dem Herrn gehorchen. Nur wenige schiitische Theologen sind dazu imstande, keineswegs alle.«

فاما من كان من الفقهاء صائناً لنفسه حافظا لدينه مخالفا علي هواه مطيعاً لامر مولاه فعلي العوام ان يقلدوه و ذلك لايكون الا بعض فقهاء الشيعة لا جميعهم

Aus diesem Hadith wird uns verständliche, dass ein guter Ratgeber, dem wir folgen dürfen, nicht nur ein wahrhaftiger Zeuge sein, sondern auch in Taten umsetzen muss, was er predigt. Er muss sein »inneres Selbst« dazu bringen, dem Imam zu gehorchen, wirklich religiös und gläubig sein, und seine Religion beschützen. Er darf nicht seinen Begierden folgen, sondern muss diese zügeln, und er muss den Anweisungen seines Imam gehorchen. Die Warnung am Ende macht uns darauf aufmerksam, dass nicht jeder, der das Gewand eines Theologen trägt, auch die Qualitäten eines solchen besitzt. Nur einige wenige besitzen diese Qualitäten und diesen müssen wir folgen. Alle Schiiten anerkennen die Verlässlichkeit dieser drei Hadith und folgen ihnen. Es besteht kein Zweifel, dass diese Regel in der Zeit der Verborgenheit des zwölften Imam gültig ist. Unsere Aufgabe ist also im allgemeinen klar und wir müssen einen solchen Menschen suchen.

Was nun diesen Menschen anbetrifft, so muss er Monotheist sein und darf keine Götzen anbeten. Er ist weder Jude noch Christ, sondern höchstwahrscheinlich ein Moslem. Er kann kein Sunnit sein, weil die Sunniten nicht an unsere Imame glauben. Er muss also der Zwölfer-Schia angehören. Er kann nicht unwissend sein, weil wir nach Erkenntnis suchen und der Unwissende diese nicht besitzt. Wir werden ihn unter den Gelehrten und Weisen finden. Naturgemäß sind jene, die die genannten Qualitäten nicht besitzen, ausgeschlossen. Nur einige wenige bleiben übrig, die für ihre Kenntnis der Hadith und ihre Treue zu ihnen, sowie ihren Gehorsam gegenüber den Imamen und ihren Mangel an Rechthaberei bekannt sind.

Dennoch müssen wir weiterhin die Möglichkeit der Heuchelei und Scheinheiligkeit in Betracht ziehen und damit rechnen, dass sie nicht sind, was sie scheinen. Es kann sein, dass bestimmte Menschen diese Qualitäten nicht wirklich besitzen, sondern um des Geldes willen, oder wegen des Ansehens oder aus anderen weltlichen und materiellen Gründen bloß vorgeben, sie zu haben, während sie in Wahrheit lügen. Sie versuchen gar nicht, die Worte Gottes oder des Propheten richtig zu verstehen und zu predigen. Ja, sie können sogar aus Mangel an Frömmigkeit einen Hadith fälschen und uns etwas Unwahres oder Unrechtes erzählen, um ihre weltlichen Wünsche zu befriedigen. In diesem Fall müssen wir Gott um Hilfe bitten. Er hat in seinem Buch versprochen, dass er die Wahrheit bezeugen und die Unwahrheit bloßstellen wird.

Ein Wort Gottes besagt: »Wir werden diejenigen gewiss auf unseren Wegen leiten, die in unserer Sache wetteifern.« (29:69)

الذين جاهدوا فينا لنهدينهم سبلنا

Jene gelehrten Theologen, die der Imam in seinem Brief beschrieben hat, sind der Pfad zu Gott. Wenn jemand sie mit guten Absichten sucht, wird Gott sie gewiss zu ihnen hinführen. Andererseits wird er jene bloßstellen, die falsche Ansprüche erheben, und ihre Lügen dem umsichtigen Gläubigen offenbaren.

Auf diese Weise findet man einen Beweis für Gottes Bestätigung, die den sichersten Grund für den eigenen Glauben bildet. Und es ist der einzige Weg, auf dem man Gewissheit erlangen kann, nichts anderes in der Welt vermag einem diese Gewissheit zu geben. Und wie Sie vielleicht bemerkt haben, haben wir durch ein und dieselbe Argumentation sowohl das Prophetentum als auch das Imamat bewiesen. Diese Argumentation ist für jene gedacht, deren Verständnis über das von Laien hinausgeht, weil gewöhnliche Menschen ihr Vertrauen auf gewöhnliche Gründe bauen, während Menschen mit einem höheren Verständnisvermögen ihr Vertrauen auf die Quelle aller Gründe, auf Gott, bauen.

Dieser Argumentation sollten Sie folgen, um Gewissheit zu erlangen. Wir haben sie benutzt, um die Säulen und Grundsätze unserer Religion zu finden, nämlich:

Erstens: Die Anerkenntnis Gottes und die Überzeugung von seiner Allmacht;

Zweitens: Die Anerkenntnis des Propheten und die Überzeugung, dass der Prophet unserer Zeit Mohammed, der Sohn des ʿAbd Allāh ist (FLGF). Nach ihm wird es keine Propheten mehr geben;

Drittens: Die Anerkenntnis seiner »Nachfolger« – der zwölf Imame;

Viertens: Die Anerkenntnis der wahrhaftigen Überlieferer des Hadith und der frommen Theologen, die es zu jeder Zeit auf Erden gibt, zu denen Gott all jene führt, die sie ernsthaft suchen.

Alle anderen religiösen Fragen sind diesen untergeordnet. Die Antworten auf sie finden sich in den Hadith, die von vertrauenswürdigen Zeugen stammen. Wir müssen ihnen Vertrauen entgegenbringen und uns an ihre Anweisungen halten.


Herr Safari hat geschrieben: »Mit diesem Ziel vor Augen begann ich meine Suche. Im Augenblick studiere ich die Schaichīsmus. Bisher habe ich drei Bücher gelesen, die ihn verurteilen. Sie bezeichnen ihn sogar als ›Agenten des Kolonialismus‹, aber ich kann die Ansicht der Autoren nicht akzeptieren.«

Antwort: Sie haben eine weise Methode gewählt. Man sollte gründliche Untersuchungen und Studien durchführen, ohne gute Gründe weder etwas akzeptieren noch verwerfen, und seine Entscheidungen auch nicht auf Hörensagen stützen. Aus diesem Grund haben sie ja auch, obwohl sie bereits drei Bücher gelesen haben, die die Schule der Schaichī verurteilen, sich noch kein abschließendes Urteil gebildet und warten die Stellungnahme der anderen Seite ab, bevor sie ein Urteil fällen, was durchaus bewundernswert ist.

Aber die Schule der Schaichī, die sie erwähnen, ist nicht eine spezielle Glaubensrichtung. Die Schule der Schaichī ist nichts anderes als der Schiismus der zwölf Imame. Dieser Name wurde von anderen geprägt, weil wir dem großen Theologen, dem seligen Scheich Ahmad al-Ahsa’i folgen, Gott möge ihn erhöhen, – deswegen nannten sie uns Schaichanhänger. Tatsächlich sind wir sehr glücklich, dass wir zu einem gehorsamen Freund unter den Freunden Mohammeds des Propheten und seiner Familie (FLGF) in Beziehung stehen. Unser Vorzug besteht darin, dass unsere Weisen viel mehr als andere über die Tugenden und den Stellenwert des Propheten Mohammed und seiner Familie geschrieben haben.

Ich weiß nicht, welche Bücher, die die Schule der Schaichī zurückweisen, sie gelesen haben oder wer sie geschrieben hat. Aber ich kann sagen, welches Niveau sie repräsentieren und welcher Menschengruppe ihre Autoren angehören. Zuerst aber muss ich eine Einleitung vorausschicken, damit die Wurzel des Problems verstanden wird.

Gottes Weisheit und Gerechtigkeit sehen vor, dass die Menschen durch Propheten und spirituelle Lehrer (hujjat) angeleitet werden. Aber es steht ihnen frei, diese anzuerkennen oder abzulehnen. Sie haben die freie Wahl zwischen spiritueller Anleitung oder Ablenkung und ihre Wahlfreiheit wird ihnen nicht abgenommen.

Die Kriege, in die manche Propheten wie Moses oder Mohammed verwickelt waren, dienten in erster Linie der Verbreitung des Wortes Gottes. Nachdem dies vollbracht war, blieb es den Menschen und ihrer freien Wahl überlassen, wie sie sich entschieden. Den Propheten war es um den wahren Glauben und die von Herzen kommende Zustimmung zu tun, und nicht um die vordergründige Unterwerfung unter Zwang.

Der Beweis dafür ist im Koran enthalten, in dem es heißt: »Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der richtige Weg ist gegenüber dem unrichtigen nun klar erkennbar geworden.« (2:256)

لا اكراه في الدين قد تبين الرشد من الغي

Deswegen wies der Prophet ʿAlī auf seinem Totenbett auch an, zu Hause zu bleiben und sein Schwert nicht zu erheben. Der Prophet sagte: »ʿAlī ist wie die Kaaba, deswegen müssen die Menschen auch zu ihm gehen und nicht er zu den Menschen.«

Daher duldete er auch die Heuchler und stellte sie nicht bloß. Dadurch ließ er ihnen die freie Wahl und nutzte ihre große Zahl für die Verbreitung des Wortes Gottes in der Welt, so dass jedermann es hören konnte. Das ermöglichte es den Ungläubigen, ihre falsche Wahl unter dem Schutzschild des Islam sicher auszuleben. Auf diese Weise erwies sich Gottes lebendiger Zeuge an ihnen und Gottes Gerechtigkeit wurde offenbar. Davon spricht auch der Koran: »Diesen und jenen stehen wir hilfreich bei und Gottes Beistand bleibt niemandem versagt.« (17:20)

كلاً نمدّ هؤلاء و هؤلاء من عطاء ربك و ماكان عطاء ربك محظورا

Aus diesem Grund ließ Gott auch den Teufel gewähren, damit ein jeder, des es vorzieht, verführt zu werden, auch verführt wird. Hätte Gott es anders gewollt, hätte er den Teufel vernichten können. Oder der Prophet hätte die Heuchler verbannt und ihnen nicht erlaubt, den Islam zu unterwandern, solange er noch selbst die Hand am Steuer hatte. Die Gefährten des Propheten waren nicht alle gute Menschen, wie die Sunniten behaupten. Die meisten waren Heuchler und Gott hatte den Propheten in der Sure »Heuchler« vorgewarnt:

»Wenn die Heuchler zu dir kommen, sagen sie: ›Wir bezeugen, dass du in Wahrheit Gottes Gesandter bist.‹ Und Gott weiß, dass du in Wahrheit sein Gesandter bist. Doch Gott bezeugt, dass die Heuchler Lügner sind. Sie haben ihre Eide als Schutzschild vor sich aufgespannt und führen vom Weg Gottes ab. Übel ist wahrlich, was sie tun.« (63:1-2)

إِذَا جَاءَكَ الْمُنَافِقُونَ قَالُوا نَشْهَدُ إِنَّكَ لَرَسُولُ اللَّـهِ وَاللَّـهُ يَعْلَمُ إِنَّكَ لَرَسُولُهُ وَاللَّـهُ يَشْهَدُ إِنَّ الْمُنَافِقِينَ لَكَاذِبُونَ اتَّخَذُوا أَيْمَانَهُمْ جُنَّةً فَصَدُّوا عَن سَبِيلِ اللَّـهِ ۚ إِنَّهُمْ سَاءَ مَا كَانُوا يَعْمَلُون

Und das ist die wirkliche Bedeutung des Wortes Heuchler: Es ist jemand, der das Gegenteil dessen behauptet, was er von Herzen glaubt. Solche Menschen gab es immer unter den Muslimen – sie sind die fünfte Kolonne des Teufels, die die Religion Gottes unterwandert hat. Man kann deutlich erkennen, wie diese Heuchler ihre geheimen Absichten nach dem Tode des Propheten offenlegten, indem sie die Rechte der wahren Gläubigen unterdrückten, sie bedrängten und misshandelten.

Nicht jeder also, der behauptet, ein Muslim zu sein, ist auch wirklich einer. Und nicht alle, die den Glauben verkünden, sind wirklich Gläubige. Es ist möglich, dass sie Heuchler sind, und in Wahrheit der Familie des Propheten feindselig gegenüberstehen. Aller Wahrscheinlichkeit nach gibt es solche Heuchler auch unter den Schiiten.

Es gibt sogar Berichte über solche Heuchler. Manche waren Zeitgenossen eines bestimmten Imam und verleugneten dann seinen Nachfolger. Ein Hadith von ʿUmar, dem Sohn Yazids berichtet: »Ich weilte in der Gegenwart des Imam Dschaʿfar as-Sādiq (FSMI) und er sprach sich ausführlich lobend über die Schiiten aus. Dann sagte er: ›Es wird eine Gruppe von Schiiten geben, die schlimmer ist, als jene, die die Schiiten wegen ihres Glaubens verfolgen.‹ Ich sagte: ›Behaupten sie nicht, sie seien deine Freunde, und hielten von deinen Feinden Abstand?‹ Er sagte: ›Ja.‹ Also fragte ich weiter: ›O mein Herr, bitte identifizieren sie diese Leute!‹ Er sagte: ›Es handelt sich um eine Gruppe, die ihre Prüfung durch ‚Zaid’ und ‚Musa’ erleben wird.‹«

Offensichtlich meinte der Imam die »Zaidi«, die glauben, Zaid sei der wirkliche Imam und die »Fathi«, die Abdullah Aftah, dem Sohn des Imam, nach seinem Tod folgten, und nach dem Tod Jaffar Sadiqs seinen Sohn Musa nicht als den nächsten Imam anerkannten.

Vom Imam Sādiq (FSMI) ist folgende Aussage überliefert: »In bezug auf uns spalten sich die Menschen in drei Gruppen: Eine Gruppe erweist uns Freundlichkeiten, weil sie das Erscheinen des zwölften Imam erwartet und auf materiellen Gewinn hofft. Diese Menschen wiederholten und schützten unseren Hadith, fehlten aber in ihren Handlungen. Gott wird sie ins Feuer treiben.

Eine weitere Gruppe erweist uns Freundlichkeiten. Sie hört unser Wort und handelt ihm gemäß, um Wohltaten und Vorteile von den Menschen zu erlangen und von diesen zu leben. Aber Gott wird ihre Mägen mit Feuer füllen und sie werden immerzu Hunger und Durst erleiden.

Eine dritte Gruppe erweist uns ebenfalls Freundlichkeiten und schützt unser Wort. Sie gehorcht unseren Anweisungen und handelt uns nicht zuwider, daher gehört sie zu uns und wir zu ihr.«

Vom selben Imam wird berichtet, er habe über unterschiedliche Erzähler seiner Hadith gesprochen und gesagt: »Und eine Gruppe unter ihnen bildet unsere Feinde, die uns aufgrund unseres Glaubens verfolgen. Diejenigen, die ihr angehören, können uns nicht offen widersprechen, daher eignen sie sich etwas vom wahren Wissen an und probieren es aus. Deshalb werden sie als Rechtgläubige betrachtet und von unseren Schiiten geachtet. Unsere Feinde dagegen hassen sie. Sie mischen viel Falsches in den wahren Hadith, auch manches, was wir verabscheuen, aber unsere treugläubigen Anhänger, die glauben, sie gehörten zu uns, anerkennen sie alle, und daher sind diese Leute nicht nur selbst in die Irre gegangen, sondern haben auch andere in die Irre geführt.

Solche Leute fügen den schiitischen Laien mehr Schaden zu, als die Armee Yazids Imam Husain (FSMI) und seinen Gefährten Schaden zufügte. Die Armee Yazids nahm Imam Husain und seinen Gefährten das Leben und raubte ihre Besitztümer, und dies erhob die letzteren aufgrund ihres Leidens in ihren spirituellen Rang. Aber diese Betrüger versuchen, wie wir auszusehen, indem sie uns umschmeicheln und unsere Feinde bekämpfen. Auf diese Weise schüren sie Unsicherheit unter unseren Anhängern, führen sie in die Irre und rauben ihnen die Möglichkeit, rechtschaffen zu sein. Dennoch: Wenn Gott jemanden sieht, der wirklich seine Religion verteidigt und seinen Imam verehrt (FSMI), dann wird er ihn unter diesen verführerischen Häretikern nicht alleine lassen, sondern sendet einen vertrauenswürdigen Menschen, um ihn auf den rechten Pfad zu führen. Gott hilft ihm, die Anleitung durch den vertrauenswürdigen Führer anzunehmen und lässt ihm auf diese Weise die schönsten Vorteile der beiden Welten zuteil werden, während jenen, der ihn in die Irre führte, die ewige Verdammnis erwartet.«

Ich zitiere diese Berichte, um Sie darüber aufzuklären, dass es unter jenen, die sich als Schiiten bezeichnen, alle möglichen Heuchler gibt – die im Namen des Schiismus den Schiismus bekämpfen. Sie sollten sich also durch die von ihnen vorgetragenen Ansprüche nicht in die Irre führen lassen, denn, wie es am Ende des zitierten Hadith heißt: Wer immer wirklich seine Religion verteidigt und seinen Imam verehrt, den lässt Gott nicht durch die Heuchler verführen, sondern wird ihn durch seine wahren Gläubigen leiten, und ihm die Möglichkeit der Errettung geben. Wie ich erwähnte, hängt all dies von der Bekräftigung und Bestätigung durch Gott ab, weswegen wir auch zu ihm beten müssen, er möge uns führen. Und Gott wird sein Versprechen halten und uns führen.

Ich werde Ihnen einige von unseren Maschayekh (Schaichi Geleherten) verfasste Bücher schicken, in denen die Anschuldigungen gegen unsere Schule widerlegt werden. Ich hoffe, sie werden diese Bücher vorurteilsfrei studieren. Und ich hoffe, Gott wird Ihnen die Wahrheit deutlich zeigen. Da Sie die Titel der drei Bücher, die Sie gelesen haben, nicht nennen, und ich die in ihnen vorgebrachte Kritik nicht kenne, kann ich darauf auch nicht antworten. Aber solche Bücher entsprechen für gewöhnlich einem Typus, umso mehr, als spätere Ankläger von ihren Vorgängern lernen und immer dieselben Dinge wiederkauen.

Ich hoffe, sie werden die Antworten auf all ihre Fragen in den Büchern finden, die ich Ihnen schicke. Allerdings gehen diese nicht auf die Behauptung ein, die Schaichismus arbeiteten dem Kolonialismus in die Hand, die Khalesi Zadeh erst kürzlich erfunden und in einer seiner Publikationen aufgestellt hat. Erstaunlicherweise sagt er dort auch, er habe keinerlei historisches Dokument als Beweis. Es ist ein schlechter Scherz, dass gewissenlose Autoren diese leere Behauptung dennoch aufgreifen und als Tatsache hinstellen. Ich fand sie in einem Buch mit dem Titel »Söldlinge des Kolonialismus in religiösem Gewand«, in dem der Autor weitschweifig über dieses Thema spricht und als einzigen Beweis die Fälschungen Khalesi Zadehs anführt.

Tatsächlich ist er ein Feind des Propheten Mohammed und seiner Familie. Er leugnet ihre Tugenden und geht so weit, zu behaupten, der Prophet habe verboten, den Namen ʿAlīs, des Anführers der Gläubigen im Gebetsruf (azan) zu verwenden. Aber da Gott versprochen hat, die Lügner zu entehren, behauptet er in seinem Buch auch, der selige Seyyed Kāzim Raschti sei ein Bürger Wladiwostoks und ein russischer Spion gewesen. Wenn man jedoch in der »Encyclopaedia Britannica« nachschlägt, erfährt man, dass Wladiwostok erst zwanzig Jahre nach dem Tod Seyed Kāzim Raschtis erbaut wurde. Sie können dieses Beispiel als Maßstab zur Überprüfung der übrigen Behauptungen nehmen.

Außerdem kann man sich keinen Grund vorstellen, warum die britische und die russische Regierung Gelehrte angestellt und in den Iran entsandt haben sollten, um nahezu 950 Bücher über die verschiedensten Wissensgebiete wie Theosophie, Rechtsprechung, Mathematik, Naturwissenschaft, Chemie und Physik zu schreiben und ihr Leben damit zu verbringen, den Islam zu fördern und die Tugenden des Propheten Mohammed und seiner Familie herauszustreichen. Männer, die ihr Leben damit verbrachten, die Muslime zu Brüderlichkeit und Freundschaft aufzurufen und niemals in Regierungsgeschäfte eingegriffen haben, oder die keinen einzigen Schritt unternommen haben, um die Fremden irgendwie zu begünstigen. Im Gegenteil: Sie haben Bücher gegen sie geschrieben, wie mein berühmter Urgroßvater, der selige Hāddsch Mohammed Karim Khan – möge Gott seinen Rang im Himmel erhöhen. Dieser hat im Auftrag von Nāser ad-Dīn Shāh, der König war, als die Briten im Hafen von Bousher vor Anker gingen und Truppen an Land sandten, ein umfangreiches Buch mit dem Titel »Nasserieh« verfasst.

Dieses Buch handelt vom Kampf gegen die Feinde des Islam und den Folgen der Fremdherrschaft. Es gibt ein weiteres Buch, das sich gegen die christlichen Missionare verwahrt, die im Iran tätig waren, um den Einfluss ihrer Regierungen auszuweiten und das Christentum in diesem Land zu verbreiten. Ich frage mich, welchen Nutzen solche angeblichen Spione für Russland und England haben sollten. Jeder vernünftige Mensch, der das Buch »Söldlinge des Kolonialismus in religiösem Gewand« liest, wird erkennen, dass es aus einer Ansammlung von Lügen besteht, dass der Autor von persönlicher Feindseligkeit und von der Hoffnung auf materiellen Gewinn durch die Publikation getrieben war. Auf Wunsch eines Freundes habe ich eine Entgegnung auf das Buch geschrieben und so Gott will, werden wir sie drucken und vielleicht werden Sie sie dann ebenfalls lesen können.

Herr Safari hat geschrieben: »Ich bin sicher, dass sie mir freundlicherweise ein Buch schicken werden, das die Wahrheit darstellt und den Schaichismus als den richtigen Weg beschreibt.«

Antwort: Wie ich zuvor schon erwähnte, unterscheidet sich der Glaube der Schaichismus nicht von jenem der Zwölfer-Schiiten. Was die an uns gerichtete Kritik anbetrifft, so ist sie weitgehend verleumderisch und in unseren Büchern findet sich nichts, was diese Anklagen rechtfertigen würde. Die wenigen echten Kontroversen betreffen Auffassungsunterschiede, die schon immer zwischen den Gelehrten bestanden haben. Die wichtigsten sind die vier folgenden:

Erstens, das Thema der Auferstehung. Die Kritiker verbreiten die falsche Behauptung, wir glaubten an die Auferstehung der Seele, aber nicht an die Auferstehung des Leibes. Gott ist unser Zeuge, dass unsere Maschayekh (Schaichi Gelehrten) nie dergleichen gesagt haben. Die leibliche Auferstehung ist eine der Grundwahrheiten des Islam und unsere Maschayekh (Schaichī-Gelehrten) würden niemals irgendeiner seiner Grundwahrheiten widersprechen. In ihren wissenschaftlichen Untersuchungen haben sie davon gesprochen, dass der jetzige physische Leib bei der Auferstehung nicht wiederkehrt, sondern dass der Mensch mit seinem »ursprünglichen Leib« bekleidet ist. Einige berühmte und äußerst angesehene Theologen, wie zum Beispiel Madschlessi und Khaje Nassir-Toosi [= Khawaja Muhammad ibn Muhammad ibn Hasan Tūsī , besser bekannt als Khaje ad-Dīn Ṭūsī] vertreten ebenfalls diese Auffassung. Unsere Maschayekh haben viele logische und aus der religiösen Überlieferung geschöpfte Beweise vorgebracht, die diese Auffassung stützen. Der Islam verlangt, im allgemeinen an die Wiederkehr des Leibes zu glauben. Wie genau diese Auferstehung sich abspielt, wie der Leib beschaffen ist, darüber sagt er nichts aus. Und wenn jemand Vorstellungen darüber entwickelt, die von den verbreiteten Ansichten abweichen, dann heißt dies nicht, dass er notwendig vom Glauben abgefallen ist. Die Umstände der »Wiederkehr« sind theoretischen Überlegungen zugänglich und es gibt 14 unterschiedliche Theorien über die Natur der Auferstehung. Unsere Maschayekh(Schaichi Gelehrten) haben lediglich ihre eigenen Vorstellungen darüber ausgesprochen.

Zweitens, die Tugenden des Propheten Mohammed und seiner Familie, die von unseren Maschayekh (Schaichi Gelehrten)  in großem Umfang erörtert worden sind. Dennoch haben sie darüber weniger geschrieben als Autoren der Sunna. Es ist schwer zu verstehen, warum manche, die behaupten Schiiten zu sein, diese Tugenden leugnen und jene anfeinden, die über sie sprechen. Eine mögliche Erklärung ist, dass es sich um Feinde handelt, die sich als Freunde verkleiden oder um unwissende Menschen, die von solchen Feinden in die Irre geleitet wurden.

Drittens, Handeln aufgrund von Vermutungen und ohne hinreichenden Beweis. Manche Theologen haben behauptet: »In unserer Zeit ist es nicht möglich, ein unwiderlegbares Wissen von den Aussprüchen des Imam zu erlangen und daher können wir nur Vermutungen anstellen. Da wir aber Theologen sind, sind die Annahmen, zu denen wir gelangen, eine Entscheidung Gottes und wir und unsere Anhänger müssen ihnen fraglos Folge leisten.« Schaichismus akzeptieren diese Argumentation nicht. Sie glauben, dass der Strom der Weisheit, der von den Imamen herabfließt, nicht unterbrochen ist, und dass es möglich ist, unwiderlegbare Erkenntnisse von ihnen zu erlangen. Es ist wichtig zu wissen, dass mehr als 70 Verse des Heiligen Koran und mehr als tausend Hadith Handeln aufgrund von Vermutungen verbieten. Diese Frage wurde in unseren Büchern ausgiebig diskutiert. Ich werde Ihnen zwei Bücher schicken: »Ershad-ol-Avam« (»Spirituelle Wegleitung für Laien«) vom seligen Hāddsch Mohammed Karim Khan Kermani, das die Auffassungen der Schaichismus über die Einheit Gottes, den Propheten und die Imame umfassend erörtert und die Frage der Anerkennung der Schiiten und der Auferstehung ausführlich diskutiert. Das zweite, von meinem Vater verfasste Buch, ist »Idschtihad und Taqlid« (»Selbstständiges Urteil und Nachahmung«), in dem gezeigt wird, dass Handeln aufgrund von Vermutungen nicht erlaubt ist. Ich hoffe, dass die Lektüre dieser beiden Bücher all ihre Zweifel bezüglich der Glaubensüberzeugungen der Schaichismus beseitigen kann.

Ein weiteres Problem ist die Definition der »Prinzipien der Religion«. Diese werden falsch wiedergegeben, um die Laien aufzustacheln, obwohl es in Wahrheit keine Differenzen gibt. Die Reihenfolge, in der sie von den Kritikern wiedergegeben werden, ist nicht von den Imamen überliefert. Welche Sätze als Hauptprinzipien betrachtet werden und welche als Nebensache, hängt von den persönlichen Vorlieben des einzelnen Theologen ab. Manche haben sogar gesagt, der einzige wirkliche Grundsatz des Islam sei der Monotheismus, alle anderen seien sekundär. Andere kennen lediglich drei Grundsätze: den Glauben an den einen und einzigen Gott, an den Propheten Mohammed und an die Imame (seine Nachfolger). Wieder andere sprechen von fünf Prinzipien: Glaube an die Einheit Gottes, die Gerechtigkeit Gottes, den Propheten, Glaube an die Auferstehung und schließlich die Imame.

Unsere Maschayekh (Schaichi Gelehrten) haben von vier Säulen des Glaubens gesprochen:

der Anerkenntnis Gottes mit all seinen Attributen,

der Anerkenntnis seines Propheten und alles dessen, was er offenbart hat,

der Anerkenntnis der 12-Imame und ihrer Tugenden,

und schließlich der Anerkenntnis der Schiiten und Freundschaft gegenüber den Freunden und Feindschaft gegen die Feinde Mohammeds und seiner Familie, – Friede sei mit ihnen allen.

Diese Aufzählung weicht nicht wirklich von der anderer ab. Die Säulen der Schaichismus umfassen in Wahrheit die fünf Prinzipien, weil die Gerechtigkeit in den Attributen Gottes enthalten ist und die Auferstehung in dem, was der Prophet offenbart hat. Die Grundsätze der »Freundschaft« und »Feindschaft« werden auch von anderen Theologen genannt.

Wenn es um den Glauben an diese Grundsätze geht, dann umfassen die »fünf Prinzipien« und die vier genannten dasselbe. Wenn es aber um die Terminologie geht, dann muss man berücksichtigen, dass in den Hadith keine Rede davon ist, dass jemand, der einzelnen Worten widerspricht, ein Unrecht begeht. Wenn aber die Auffassung vertreten wird, dass jemand, der an einen der Glaubensgrundsätze nicht glaubt, den Islam verlässt, dann gilt dies auch für die Nebengrundsätze. Zweifellos stellt sich jemand, der das tägliche Gebet, die Pilgerfahrt nach Mekka oder die Entrichtung des Zehnten (Zakat) verneint, außerhalb des Islam, ebenso wie jemand, der die schiitischen Brüder anfeindet und sich mit ihren Feinden verbündet. Wie auch immer, über die wirklichen Inhalte gibt es keinen Dissens und das ganze Thema wurde nur um der Agitation willen aufgebracht.

Herr Safari hat geschrieben: Bitte teilen Sie mir ihre Ansichten über den heutigen Iran und die Lage der Welt im 20. Jahrhundert mit. Dies ist für mich von großer Bedeutung.

Antwort: Jeder Mensch betrachtet die Welt aus seinem eigenen Blickwinkel. Wenn Sie die Welt aus meinem Blickwinkel betrachten möchten, müssen Sie sich mit meiner Art des Denkens vertraut machen. Um es kurz zu sagen: Die Menschen, die auf der Erde leben, besitzen einen physischen Körper, der mit den anderen physischen Gegenständen vergleichbar ist. Dieser physische Körper ist von einer Seele durchdrungen, die man auch in der ganzen Pflanzenwelt findet. Jede »pflanzliche« Eigenschaft, die die Menschen besitzen, kommt von dieser Seele.

So entnehmen beispielsweise die Pflanzen ihre Nahrung aus dem Boden, verarbeiten sie in ihren Blättern, nutzen einiges davon, und geben das übrige durch Verdunstung oder auf anderem Wege wieder an die Umgebung ab. Was sie behalten, wandert in die Zweige, bewirkt das Wachstum, und bringt das schöne Blätterwerk und die Blüten der Bäume hervor. Anteile der Nahrung werden benutzt, um Blüten mit männlichen und weiblichen Organen zu bilden, Pollen zu erzeugen, die Bestäubung und Befruchtung bewirken und auf diesem Wege Früchte und Samen für die Reproduktion hervorzubringen. Zu manchen Zeiten sind die Pflanzen wach und aktiv, zu anderen untätig oder im Schlafzustand.

Wenn sie schließlich alt werden, sondern sie mehr ab, als sie aufnehmen, ihr Körper schwindet dahin und sie sterben. Diese Vorgänge sehe ich auch in den Menschen: sie benötigen Nahrung und Wasser, nehmen diese Stoffe in ihren Magen auf, verarbeiten sie, transportieren die verfeinerten Säfte zu den Organen, um ihr Leben und ihr Wachstum zu ermöglichen, und sondern das Übrige durch die Nieren, Eingeweide oder die Schweißdrüsen wieder ab. Sie fertigen Kleider aus Pflanzen oder anderen Materialien an und schmücken sich selbst. Sie erzeugen aus der Nahrung, die sie verarbeiten, Samen. Durch Mann und Frau werden Kinder gezeugt. Langsam werden die Menschen alt und krank und geben mehr ab, als sie aufnehmen, verlieren an Gewicht und sterben schließlich. All dies ist meiner Auffassung nach auf das Wirken der Lebenskraft oder »Pflanzenseele« zurückzuführen, die der Mensch mit den Pflanzen gemeinsam hat. Ich kenne Menschen, die ihr ganzes Leben mit diesen Aktivitäten verbringen, und daher Bäumen gleichen, die etwas fortgeschrittener als andere Bäume sind, aber im Grunde sind sie nicht viel mehr als Bäume!

Neben dieser Pflanzenseele nehme ich aber noch ein weiteres wirkendes Prinzip im Menschen wahr, das mit der Seele vergleichbar ist, die auch die Tiere besitzen. Alle Aktivitäten des Menschen, die wir auch bei Tieren finden, gehen auf diese »Tierseele« zurück. So sehe ich zum Beispiel, dass die Tiere hören, sehen, schmecken, riechen und tasten; sie suchen auf, was ihrem Wesen entspricht und fliehen, was ihm widerspricht. Sie nähren sich von anderen Tieren, Pflanzen, ja selbst Mineralien. Sie trinken jedes Wasser und essen alles, was sie finden, gleichgültig, wem es gehört. Die männlichen Tiere bespringen alle weiblichen, die ihnen über den Weg laufen, oder die wilden erbeuten die schwächeren und fressen sie. Solange sie keine stärkeren Tiere daran hindern oder ihnen keine anderen Hindernisse im Wege stehen, tun sie alles, »was ihr Herz begehrt«. Sie verhalten sich, wie ihre Natur es verlangt; manche sind stark und mutig, wie die Löwen, daher greifen sie an; andere schwach und furchtsam wie die Gazelle, daher fliehen sie. Manche sind schlau, wie der Fuchs, und erlangen, was sie wollen, durch Täuschung; manche sind harmlos und dumm, die wie Schafe, und werden die Beute anderer.

Wenn ich solche Verhaltensweisen bei Menschen sehe, bringe ich sie mit ihrer »Tierseele« in Verbindung. Wenn manche ihr ganzes Leben mit solchen Tätigkeiten verbringen, dann sind sie Tiere, die sprechen können und sich nur dadurch von den anderen Tieren unterscheiden, dass sie etwas klüger sind und andere manipulieren und ihren Verstand benutzen können, um die Bedürfnisse ihrer Pflanzenseele, ihrer Tierseele oder ihrer mineralischen Seele zu befriedigen. Sie können ihre Bedürfnisse umfassender befriedigen, zum Beispiel Menschen, die sich keine Gedanken darüber machen, was sie essen oder trinken, ob es Wasser oder Wein ist, ob Lamm oder Schwein, ob erlaubt oder nicht, solange es nicht zu hart zum Kauen ist. Nichts ist für sie verboten, es sei denn, sie können es nicht erreichen oder der Besitzer hindert sie daran, es an sich zu nehmen, aber in ihrem Inneren gibt es keine Instanz, die ihre Begierden zügelt.

Sie stehlen das Eigentum anderer; wenn sie die Macht besitzen, konfiszieren sie es; oder sie versuchen, es durch eine Wette zu gewinnen, wenn nicht gar durch Betrug. Wenn so jemand eine Frau sieht, will er sie besitzen – wenn möglich mit ihrem Einverständnis, wenn nicht, dann durch Täuschung oder mit Gewalt, wenn es sich einrichten lässt und er nicht jemand Stärkeren fürchtet. Es gibt keine innere Instanz, die ihn aufhält.

Aber es gibt auch eine kleine Gruppe von Menschen, die etwas in sich tragen, das höher ist, als die Tierseele oder die Pflanzenseele, durch das sie diese im Zaum halten. Solche Menschen essen keine verbotenen Nahrungsmittel, selbst wenn sie hungrig sind, und wenn erlaubte Speisen zugänglich sind, dann essen sie nicht im Übermaß. Sie mögen arm sein, aber sie eignen sich nicht fremdes Eigentum an. Wenn sie Frauen sehen, dann tun sie ihnen nichts an, selbst wenn sie das dringende Bedürfnis haben. Ihre Bedürfnisse stillen sie nur mit ihren angetrauten Ehefrauen. Sie behandeln andere Menschen, die schwächer sind, nie grausam, obwohl sie die Macht dazu haben, eignen sich nicht deren Eigentum an und zügeln stets sich selbst. All diese Verhaltensweisen deuten auf etwas im Menschen hin, das über der Tierseele steht. Es handelt sich um die »Geistseele«, die Empfindungen und Wahrnehmungen hat, die über jene hinausgehen, die der Tierseele zugänglich sind. Sie besitzt Phantasie, denkt, lernt und erkennt.

Aber bei den Menschen mit einer Geistseele gibt es ebenfalls Unterschiede. Die einen haben sich ihrer Pflanzen- und Tierseele unterworfen, und benutzen ihre Geistseele dazu, diese anderen Seelen und ihre Begierden zu unterstützen. Sie verwenden ihren Verstand dazu, ihrer Pflanzenseele bessere Nahrung zu verschaffen, Gegenstände oder Waffen herzustellen, die es ihnen ermöglichen, grausame Handlungen und Verbrechen zu begehen, die ihre tierischen Eigenschaften stärken, damit sie noch mehr Grausamkeiten und Verbrechen begehen und die Schwachen beseitigen können. Manchmal täuschen sie die Jungen und Leichtgläubigen, manchmal plündern sie andere mit Hilfe wissenschaftlicher oder ökonomischer Manöver aus und unterwerfen sie. Wenn sie auch manchmal gewisse tierische Neigungen kontrollieren, dann tun sie dies nur zugunsten anderer tierischer Neigungen, die sie bevorzugen. Zum Beispiel sehen sie ein, dass Aggression und Enteignung ihre Herrschaft gefährden könnten, deswegen verzichten sie darauf, um ihre Herrschaft zu sichern. Entgegen ihrer Natur können sie sich sogar großzügig zeigen, um ihr Hauptbedürfnis zu befriedigen, das darin besteht, andere zu beherrschen. Manchmal verzichten sie auf eine kleine Summe, um andere zu täuschen, nur um ihnen später um so mehr abzunehmen. Und so weiter.

Nun gibt es aber auch andere Menschen, deren Geistseele ihre Befehle nicht von der Pflanzen- oder Tierseele empfängt, sondern von einer höheren Instanz. Sie nutzen ihre Phantasie, ihre Erkenntnisfähigkeit, ihren Verstand und auch die Kräfte ihrer Pflanzen- und Tierseele, um die Anordnungen dieser höheren Instanz umzusetzen. Für sie spielt es keine Rolle, ob das, was sie tun, ihrer Pflanzen- oder Tierseele behagt. Mit dieser »höheren Instanz« meine ich die Propheten und ihre Anweisungen, die den Inhalt der Religion bilden, und die Menschen, die ihre Anweisungen umsetzen, sind die wahrhaft Gläubigen. Ich bin sicher, dass Sie dies ebenso sehen werden, wenn Sie nur aufmerksam genug beobachten.

Nun muss ich noch etwas anderes erörtern, damit sie verstehen können, wie ich denke. Die Geschichte und die Forschungen der Geologie zeigen uns, dass auf unserem Planeten anfangs und für lange Zeit nur mineralische Substanzen vorhanden waren. Nach vielen Jahren erschienen einfache kleine Pflanzen, die sich allmählich weiter entwickelten und für viele Jahre gab es keine anderen Lebewesen auf der Erde als Pflanzen. Alle Pflanzen vervollkommneten sich, degenerierten und starben irgendwann aus. Viele Pflanzen, deren Fossilien man gefunden hat, existieren heute nicht mehr. Andere fossilierte Pflanzen existieren heute noch; wiederum andere stehen kurz vor ihrem Verschwinden, wie zum Beispiel der Bergahorn.

Lange Zeit verging, bis die Prokaryoten und einfache Tiere, wie zum Beispiel die Insekten, erschienen. Später traten dann komplexere Tiere, wie Reptilien, Vögel und Raubtiere hervor. Auch hier zeigt sich dasselbe Muster: die Entwicklung zu vollkommeneren Formen, ein Niedergang und schließlich das Aussterben. Das geschieht auch noch heute, da manche Tierarten sich vermehren und ausbreiten, während andere abnehmen und vor dem Aussterben stehen, wie zum Beispiel die Löwen.

Und dann erschien der Mensch auf der Erde. Die Vorgeschichte zeigt, dass sie anfangs nicht klug waren. Langsam entwickelten sie aber ihre Klugheit. Einfache Fertigkeiten wurden entdeckt und im Laufe der Zeit verbessert. Die Geschichte lehrt, dass jede neue Generation klüger und kenntnisreicher als die vorangehende ist. Die Bevölkerung wächst und nimmt immer weiter zu. So wie andere Lebewesen, wird auch der Mensch einen Höhepunkt seiner Entwicklung erreichen und irgendwann aussterben, es sei denn, Gott hat andere Absichten.

Wenn Sie genau beobachten, werden Sie zu Ihrer Überraschung feststellen, dass die Geschehnisse langer Zeiträume der Erdgeschichte sich in kleinen Zeitperioden wiederfinden. So kann man zum Beispiel die Evolution des menschlichen Bewusstseins im Kindesalter wiederfinden. Wenn es geboren wird, ist sein Bewusstsein geringer als das vieler Tiere. Dies entspricht dem primitiven Menschen. Innerhalb von dreißig bis vierzig Jahren vermag er sich jedoch die Kenntnisse der fortgeschrittensten Wissenschaften der modernen Zeit anzueignen und diese zu verstehen und in einem einzigen Jahr die Entwicklung durchzumachen, für die früher ganze Jahrhunderte erforderlich waren. Sie können die vergangene Evolution erkennen, wenn sie die Entwicklung eines Menschen in seinem gegenwärtigen Leben beobachten. Wenn Sie besonders scharfe Augen haben, können Sie sogar die Evolution der Welt in einem einzigen Menschen wiederfinden. Sie sehen ihn bloß als Samen, solange sein »mineralischer« Aspekt vorherrscht. Dann zieht er wie eine Pflanze seine Nahrung aus dem Blut seiner Mutter und indem er sie verarbeitet, wächst er, von Tag zu Tag, bis das Blut und die Knochen sichtbar werden. Nach vier Monaten wird das Lebensblut der Mutter seine zarte, unerleuchtete, dämmerige Seele entzünden und seine tierischen Aspekte aufwecken.

Seine mineralischen und tierischen Aspekte werden ebenso weiter gedeihen, wie seine pflanzlichen, bis er aus dem Leib der Mutter hervortritt und das erste Anzeichen seiner Geistseele in ihm erscheint. Zuerst ernährt er sich von der Muttermilch, später von allem möglichen anderen, bis zu seinem 25. oder 26. Lebensjahr. Seine »pflanzlichen« Fähigkeiten wachsen und gedeihen, bis er 40 oder 50 ist, wo sie ihren Höhepunkt erreichen. Dann beginnt der Niedergang bis zum Tod. Seine Tierseele gedeiht neben der Pflanzenseele, je mehr Nahrung ihr zugeführt wird, um mit der Verminderung der Nahrung wieder schwächer zu werden. Die Geistseele ist zu Beginn sehr schwach, weil sie sich nicht von dem ernährt, was die Tierseele gedeihen lässt, und sie bleibt auch schwach, wenn sie nicht ihre spezielle Nahrung erhält. Diese Nahrung ist geistig und besteht aus der Erziehung und dem Unterricht, die Eltern und Menschen in der Umgebung ihr zuteil werden lassen. Von Worten ernährt sich die Geistseele. Wenn zum Beispiel ein Kind unter Tieren aufwächst, wie es vorgekommen ist, wird es sich geistig nicht entwickeln und wie ein wildes Tier werden. Wenn es aber durch Mutter und Vater großgezogen wird, werden ihre Worte es nach und nach erwecken und es wird klug und einfühlsam werden. Je klüger die Eltern und ihre Freunde, um so früher wird das Kind reif und klug werden. Ein Kind zum Beispiel, das in einer großen Stadt aufwächst, versteht mehr, als ein Kind, das in einem Dorf unter einfachen Leuten groß wird. Denselben Unterschied gibt es zwischen Kindern, die in gebildeten oder ungebildeten Familien heranwachsen.

In jedem Fall reift das Kind und verlässt seinen tierischen Zustand. Seine Geistseele wird stärker und beginnt zu verstehen, so dass es die Bedeutung der Worte erfasst. Anfangs hat es noch kein Selbstbewusstsein, tut, was man ihm sagt und ist abhängig. Aber je mehr es heranreift, um so mehr gewinnt es an Selbstvertrauen und trifft seine eigenen Entscheidungen, es sei denn, es verwendet seine neuen Fähigkeiten, um seine tierischen Bedürfnisse und Frivolitäten zu befriedigen. Es wird sogar seinen Eltern gegenüber ungehorsam sein und sich selbst für klüger halten, sie möglicherweise gar verspotten. Dieses Verhalten erreicht seinen Höhepunkt in der Pubertät. Danach nimmt sein Verständnis zu, und es beginnt zu begreifen, dass seine Eltern Recht hatten und es wird sich ihnen unterordnen und ihnen gehorchen, und dieser Gehorsam dauert an, bis der Mensch 40 oder 50 ist und den Höhepunkt seiner geistigen Leistungsfähigkeit erreicht.

Wird er nun von den pflanzlichen und tierischen Elementen angezogen, dann sieht und hört er durch diese und er verkörpert sich selbst in ihnen und gehorcht ihnen. Und wenn die pflanzlichen und tierischen Elemente schwächer werden und zerfallen, dann verliert er seine Kraft des Verstehens und stirbt, ebenso wie diese Elemente.

Wenn er aber nach einer anderen Quelle der spirituellen Anleitung Ausschau gehalten hat, dann wird sein Verständnis solange bestehen bleiben, als diese spirituelle Anleitung bestehen bleibt, weil er sich von seinen mineralischen, pflanzlichen und animalischen Aspekten befreit hat, und mit einer höheren Quelle verbunden ist. Es ist wie bei einem Glas, das auf einem Tisch steht. Wenn der Tisch auseinanderbricht, wird das Glas zu Boden fallen und zerspringen. Wenn es aber mit einem Faden an der Decke befestigt ist, wird ihm das Zerbrechen des Tisches nichts anhaben, es wird nicht zu Boden fallen und nicht zerbrechen, weil es mit etwas Höherem verbunden ist.

Vieles habe ich jetzt gesagt und vieles mehr könnte ich noch ausführen. In Kürze wollte ich Ihnen andeuten, wie die Lebensgeschichte der Menschheit im Leben eines einzelnen Menschen entdeckt werden kann, und wie aufgrund dieser Erkenntnis das noch Unerkannte gefunden werden kann.

Kehren wir zur Geschichte zurück! Aus ihr können wir entnehmen, dass von Zeit zu Zeit Menschen erschienen sind, die sich selbst als etwas Höheres betrachteten. Sie behaupteten, geistige Fähigkeiten zu besitzen, durch die sie anderen überlegen waren. So wie Tiere über eine Seele verfügen, die Pflanzen nicht besitzen, die es ihr erlaubt, Dinge zu tun, zu denen Pflanzen nicht imstande sind, wie Sehen, Hören, Schmecken usw., so besitzen auch Menschen eine Seele, die den Tieren nicht eigen ist, die sie instand setzt, Dinge zu tun, zu denen Tiere nicht imstande sind, wie Phantasieren, Denken, Lernen, Erfinden usw.

Nun behaupteten diese Menschen, sie besäßen eine höhere Art von Geist, die anderen Menschen fehle, und sie vermöchten Dinge zu vollbringen, zu denen gewöhnliche Menschen nicht imstande seien. Wie die Geschichte berichtet, vollbrachten sie außerordentliche Dinge, um ihre Überlegenheit unter Beweis zu stellen, zum Beispiel erweckten sie Tote zum Leben, sagten Zukünftiges voraus, beeinflussten Pflanzen und Tiere mit ihrem Willen, und übten Wirkungen auf Himmel und Erde aus, zu denen kein anderer Mensch imstande war. Daher anerkannten die anderen Menschen sie auch und da wir keinen Grund haben, ihre Existenz oder ihre Taten zu verneinen, anerkennen wir sie ebenfalls, da man nur aus guten Gründen etwas verneinen sollte.

So wie wir über Erkenntnis- und Willenskräfte verfügen, die jenen der Tiere überlegen sind, so mag es Menschen geben, die Erkenntniskräfte besitzen, die den unseren überlegen sind. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht existieren sollten, aber es gibt gute Gründe dafür, dass sie existieren sollten. Von entsprechenden Erscheinungen erzählen die Hadith, ebenso wie die Geschichte, und es gibt Analogien der Wahrheit in diesen Überlieferungen. Wie auch immer: All diese Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten der Geschichte auftraten, haben stets dasselbe gesagt:

»O ihr Menschen, ihr seid so unachtsam gegenüber der Welt, die euch umgibt! Sie besteht nicht nur aus dem, was ihr um euch herum sehen könnt; es gibt andere Welten, jenseits der physischen, dreidimensionalen Welt, dem Raum und der Zeit, die ihr wahrnehmen könnt. Ihr könnt diese Welten nicht sehen, ebensowenig wie die Pflanzen die Dinge sehen können, die sie umgeben oder ein Bewusstsein von dem haben, was ihr seht.

Genauso haben wir Sinne, die euch nicht gegeben sind. In uns lebt eine Geistseele, die ihr nicht besitzt, durch die wir die unsichtbaren Welten zu sehen vermögen. Wir können vieles tun, wozu ihr unfähig seid. Vieles nehmen wir wahr, was euch verborgen ist.

Nun, diese große Welt, die ihr sehen könnt und diese verborgenen Welten, die wir sehen können, umfasst ein Gott, der groß ist, und der alles geschaffen hat, uns eingeschlossen, – euch und all die Welten hat er aus dem Nichts geschaffen. Ihn in seinem Wesen zu erkennen ist euch und auch uns unmöglich. Aber da wir mit Erkenntnis und einem reinen Herzen begnadet sind, hat uns Gott offenbart, dass es keinen Gott gibt, außer ihm, und dass er der unbestrittene Herrscher aller Welten ist. Er hat uns auch mitgeteilt und befohlen, euch zu sagen, dass es keinen Gott außer ihm gibt und dass er diesen gewaltigen Bau der Welten errichtet hat, um geistbegabte Lebewesen hervorzubringen, die seine Majestät und Allmacht, sowie seine Eigenschaften erkennen und ihm dienen.

Dies ist der Grund für die Erschaffung der Welt. Aber natürlich entstanden im Verlauf dieses Geschehens auch Geschöpfe minderer Art und wegen ihrer Mängel konnten sie nicht ihren optimalen Zustand erreichen. Sie sind gewissermaßen Ausschuss; ein jedes von ihnen ist auf einer bestimmten Stufe stehengeblieben und wird am Ende verworfen. All die Geschöpfe des Mineral-, Pflanzen- und Tierreiches mit ihren unterschiedlichen Begabungen sind ebenfalls nur »halbfertig« und haben gewisse Stufen der Entwicklung nicht überschritten – alle werden aufhören zu sein, verworfen und von Gott zur Erde zurückgeführt.

Und ihr menschlichen Geschöpfe steht auf einer höheren Stufe als diese drei Naturreiche und habt die Fähigkeit euch weiter zu entwickeln und nicht unterwegs stehenzubleiben. Ihr könnt dem Zustand der menschlichen Vollkommenheit nahekommen, von dem wir vollkommene Beispiele sind. Der Grund für eure Unvollkommenheit ist, dass ihr euch eurer mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Seele bis zu dem Grade unterworfen habt, dass ihr sie mit eurem eigentlichen Menschsein verwechselt und aus ihnen heraus handelt. Ihr seid wie ein Reiter, der sich mit seinem Reittier verwechselt. Wenn das Pferd hungrig ist, glaubt ihr, ihr seid hungrig, oder wenn das Pferd zu einer Stute hingezogen wird, glaubt ich, ihr hättet Gefühle für diese Stute. Ein solcher Reiter ist sich der Tatsache nicht bewusst, dass er vom Pferd unabhängig und nicht mit ihm verwandt ist. Er beachtet nicht, dass seine Nahrung anders ist, als die des Pferdes und dass seine Neigungen auf etwas anderes gerichtet sind – konsequenterweise vernachlässigt er sich selbst und kümmert sich nur um das Pferd. Es wird nicht lange dauern, bis er verhungert!

Nun habt ihr mit diesem Problem zu kämpfen und der gütige Gott hat uns gesandt, um euch zu lehren und euch daran zu erinnern, dass ihr nicht das Pferd, sondern Menschen seid, und diese Seite eures Wesens stärken und ihr Dauer verleihen sollt. Das Pferd wird früher oder später untergehen. Wenn ihr es überleben und die ewigen Freuden genießen wollt, dann müsst ihr uns gehorchen und unseren Anweisungen, unserem Vorbild und unserem Verhalten folgen. Da die materiellen Substanzen, aus denen euer Körper besteht, sich im Ungleichgewicht befinden, werden wir euch sagen, wie ihr ihn reinigen, rein und ausgeglichen erhalten könnt, und jene Dinge, die ihm schaden und ihn aus der Bahn werfen, vermeidet.

Und je reiner und ausgeglichener diese materiellen Substanzen werden, um so mehr wird auch eure pflanzliche Seele ausgeglichen sein. Wir werden euch sagen, welche guten Dinge ihr essen und trinken müsst, um einen stabilen Zustand herzustellen. Und welche Dinge ihr meiden müsst, die Unausgeglichenheit bewirken. Wenn sich eure Pflanzenseele stabilisiert, dann stabilisiert sich auch eure tierische Seele und diese Tierseele, das Reittier eurer Geistseele, wird fügsam werden und ihr Ungehorsam ein Ende nehmen und sie wird dorthin gehen, wo ihr wollt, und nicht dorthin, wo sie will.

Um eure Geistseele zu stärken, müsst ihr uns stets Aufmerksamkeit schenken und eure inneren Antriebe nach unserem Vorbild formen und danach streben, mit unseren Eigenschaften übereinzustimmen. Das Zeichen eures Erfolges wird sein, dass ihr uns als eure Freunde annehmt und uns liebt. Dies ist deswegen der Fall, weil Zärtlichkeit und Freundschaft zwischen zwei Wesen, die sich ähnlich sind oder die dieselben Eigenschaften besitzen, naturgemäß auftritt. Solang eure Aufmerksamkeit der Tierseele zugewandt ist, werdet ihr tierische Eigenschaften haben und eure Ziele und Wünsche werden tierartig sein. Solange werdet ihr uns nicht ähnlich sein und uns nicht lieben.

Sobald ihr euch aber mit unseren Eigenschaften schmückt, werdet ihr wie wir werden und eure Liebe zu uns wird sich in eurem Herzen niederlassen und ihr werdet uns stets Achtsamkeit entgegenbringen. Wir gleichen einer Lampe. Das Licht Gottes ist in unserem Herzen aufgegangen und es strahlt von unserem Wesen aus. Wenn ihr uns jederzeit all eure Aufmerksamkeit zuwendet, dann wird das Licht Gottes in euer Herz eindringen und es zum Leuchten bringen und ihr werdet mit denselben Eigenschaften geschmückt sein wie wir, Eigenschaften, die Gott mit Wohlgefallen erfüllen. Wenn ihr nicht ermüdet, wird sich das Licht Gottes mit euch vereinigen und ihr werdet ebenfalls zu strahlen beginnen.

Dieses Licht ist das Licht der Geistseele, über die wir schon gesprochen haben. Eure Geistseele aber ist wie ein lebloser Körper. Sie ist wie ein Brennstoff, der nicht brennt. Wenn ihr euch uns zuwendet, wird das Feuer, das in uns ist, den Brennstoff eurer Geistseele aufwärmen und verdampfen, bis er spontan in Flammen aufgeht. Dann werdet ihr erkennen, dass ihr in ein neues Leben geboren seid und dass ihr Sinne und Gefühle besitzt, die über alles hinausgehen, was ihr bisher kennt. Ihr müsst nicht mehr blind umhersuchen wie zuvor. Ihr erlangt ein Schauen, das euch belehrt, ohne dass ihr gelehrt zu sein braucht. Ihr werdet einem Blinden gleichen, der jahrelang die Wissenschaft der Farben erforscht hat, und am Ende zwar die Terminologie der Farben beherrscht, aber sie selbst nicht versteht, der aber im Augenblick, wo ihm die Augen aufgehen, sie alle auf einmal sehen und unterscheiden kann. All dies verdankt ihr dieser Geistseele, die eine Manifestation des Lichtes Gottes ist und deren ganze Kraft aus ihm stammt. Diese Kraft werdet ihr dann besitzen. Was immer ihr befehlt, wird geschehen. Ihr werdet die alten Werkzeuge und Mittel nicht mehr benötigen. Wenn ihr uns folgt, werdet ihr ein vollkommenes Wesen, unabhängig von der Unterstützung durch die Pflanzen- oder Tierseele. Durch die Macht Gottes werdet ihr weiterleben, wenn sie zugrunde gehen. Ihr werdet zahllose Freuden genießen, die ihr euch jetzt nicht einmal vorstellen könnt. Durch die Macht Gottes werdet ihr alles haben und fähig sein, alles zu tun.«

Die Unterweisungen der Propheten sind ihre Religion. Die unterschiedlichen Bestandteile der Religion vervollkommnen die mineralische, die pflanzliche, die tierische und zuletzt die geistige Seele. Zu diesen Unterweisungen gehören auch Heilmittel für soziale Probleme. Wenn man in die Geschichte blickt, erfährt man, dass jeder Prophet, der eine bestimmte Religion gestiftet hat, auch seine Anhänger hatte. Ihren Unterweisungen zu folgen bedeutete Fortschritt und Verbesserung. Manche haben sogar einen sprungartigen Fortschritt der Intelligenz der Menschen bewirkt und sie befähigt, eine höhere Stufe der Kultur zu erklimmen.

So stiegen beispielsweise die verarmten Israeliten, die auf einer niedrigen Stufe der Entwicklung standen, unter der Führung ihres Propheten Moses (FSMI) in hohe Positionen auf, und vermochten sogar große Königreiche zu gründen. Selbst solche, die keine Juden waren, wuchsen an Intelligenz und Weisheit allein dadurch, dass sie mit den Juden Umgang hatten. Und viele hielten sich an die Offenbarungen der Propheten und anerkannten sie, selbst wenn sie die Bedeutung ihrer Offenbarung oder ihren Ursprung nicht verstanden.

Wenn sie die jüdischen Chroniken für unzuverlässig halten, dann nehmen sie eben die Geschichte des Islam. Sie wird ihnen zeigen, wie ungebildete Nomaden, die Eidechsen aßen und ihre neugeborenen Töchter aus Unwissenheit lebendig begruben, die nichts kannten, außer Mord und Plünderung, Pferde und Schwerter, durch die Unterweisungen des Propheten sich so weit entwickelten, dass es ihnen gelang, große, starke Reiche und Imperien wie das persische oder römische zu besiegen.

Sie schritten auch in zahlreichen Wissenschaften voran. Europäer, die während der Kreuzzüge mit ihnen in Kontakt kamen, lernten von ihnen diese Wissenschaften, und dies half ihnen bei ihrem außerordentlichen Fortschritt. Man kann sagen, dass ihr jetziger Entwicklungsstand auf den Wissenschaften beruht, die sie von den Muslimen übernommen haben.

Die Folgerung, zu der ich führen will, ist die, dass es die Propheten waren, die Entwicklung und Erweiterung der Erkenntnis unter den Menschen bewirkten; ihre Unterweisungen haben Nahrung für ihre Geistseelen bereitgestellt und sie gestärkt, bis die Menschen dorthin gelangten, wo sie heute sind.

Es verhält sich so, wie bei der Erziehung eines Kindes, bei der der Vater stets weiß, was er ihm in einem bestimmten Lebensalter beibringen muss. So muss zum Beispiel in der frühen Kindheit mehr Wert auf die Reinlichkeit gelegt werden, auf die Kunst des Essens, die Regeln des Schlafens und Aufstehens und so weiter. Wenn das Kind heranreift und sein Geist sich entwickelt, wird es lesen und schreiben lernen; aber es muss nicht alles verstehen, was ihm beigebracht wird.

Wenn es weiter heranreift, bringt man ihm soziales Verhalten und gute Manieren bei und erzieht sein Temperament. Je mehr seine Intelligenz heranwächst, um so schwieriger werden die Themen und Gegenstände, die man ihm beibringt. Nun gleichen die Entwicklungsstufen der Menschen zu unterschiedlichen Zeiten der Geschichte den unterschiedlichen Entwicklungsstufen eines Kindes. Ihr Verständnis und ihre Intelligenz reiften heran, fast wie beim Kind. Daher sprachen die Propheten zu jeder Zeit auch stets so, dass die Menschen auf ihrer jeweiligen Entwicklungsstufe sie verstehen konnten. Als sie voranschritten, sandte Gott einen Propheten, damit sie eine höhere Stufe des religiösen Lebens erklimmen konnten. Aber die Menschen, die ihm folgten, verstanden nicht gleich alles, was ihnen gepredigt wurde.

Meist waren sie schwach und nicht wirklich bei der Sache – wie ein sechs- oder siebenjähriges Kind, das seinem Vater aufgrund der Schwäche seiner Seele und seines Geistes zuhört und gehorcht und nicht mit ausdauernder Hingabe. Es nimmt die Form an, die man ihm einprägt, und behält diese Form, so wie Bienenwachs, das seine Form behält. Aber wenn man das Kind in eine »warme« Umgebung bringt, wird es zunehmend weich und formbar, bis es seine ursprüngliche Form verliert. Wenn es noch wärmer wird, schmilzt es, und alle Formen, die ihm eingeprägt wurden, verschwinden und es wird die Form des Behältnisses annehmen, in dem es sich befindet, es wird die Form eines Würfels annehmen, wenn das Behältnis würfelförmig ist, und eine runde Form, wenn es sich in einem runden Behälter befindet. So ist es beim Kind, das seinem Vater glaubt und dessen Geist die Form des Geistes seines Vaters annimmt.

Aber wenn sein Bewusstsein sich weiter entwickelt, dann stößt es all diese Formen ab und vergisst alle Unterweisungen. Aber da das »Wachs« seiner Geistseele sich in mineralischen, pflanzlichen und tierischen Behältnissen befindet, und gleichzeitig sein Verständnis, das es von seinem Vater übernommen hat, nicht mehr unbeugsam ist, sondern sich aufzulösen beginnt, nimmt diese Geistseele die Form des tierischen oder pflanzlichen Behältnisses an. Dann werden auch seine Wünsche eine tierische oder pflanzliche Form annehmen. Und dies ist bei einem Kind kurz vor der Pubertät der Fall, das all seine früheren Fertigkeiten und Formen verliert, und sich den pflanzlichen und tierischen Begierden zuwendet. Es wird frech, hört nicht mehr auf die Älteren, achtet seine Eltern nicht und hält sich selbst für klüger als sie. Nun, die Eltern sind mit dieser Situation nicht glücklich, tatsächlich sind sie sogar sehr unglücklich, aber sie sind auch voller Hoffnung, dass der junge Mensch irgendwann zur Einsicht kommt, und sein gegenwärtiges abstoßendes Verhalten hinter sich lässt. In Wahrheit ist dieses Verhalten für die Eltern verheißungsvoll, weil es das Erwachen des Selbstbewusstseins ankündigt, während der frühere Gehorsam lediglich die Folge eines rudimentär entwickelten Verstandes und einer Schwäche des Geistes war.

Die Eltern sind voller Hoffnung, dass die Geistseele des Heranwachsenden bald von der Hitze der Weisheit entflammt wird, diese Weisheit die Herrschaft über sein Bewusstsein erlangt, er das ganze abstoßende Verhalten hinter sich lassen und ein einsichtsvoller Mensch werden wird. Denken sie an das Beispiel des Bienenwachses zurück: Wir möchten, dass es Feuer fängt, deshalb stört es uns nicht, wenn es all seine Formen verliert, die wir ihm gegeben haben. Wir bedauern es nicht, wenn es zu schmelzen beginnt, und in die Ecken und Ritzen seines formlosen Behälters hinunterfließt, weil wir wissen, dass es am Ende, wenn die Temperatur ansteigt, verdampft, plötzlich in Flammen aufgeht und das in ihm verborgene Feuer hervortritt, um zur herrschenden Kraft zu werden. Dann wird dieses »Feuer« herrschen, und auf seinen Befehl verdunstet das ganze Wachs und geht in eine höhere Stufe über, nicht in eine niedrigere.

Nun, ebenso gehorchten die Völker in der Vergangenheit ihren Propheten, da sie sich in ihrem unbeweglichen Zustand befanden. Und welche Form sie auch immer angenommen hatten, sie behielten diese bei, da sie an ihre Bräuche gewöhnt waren. Aber nach und nach erwärmt sich das Wachs ihres Geistes, wird weich und schmilzt und ihre alten Formen und Gewohnheiten verschwinden. Aufgrund der natürlichen Trägheit sinkt ihr Bewusstsein herab, füllt ihre pflanzlichen und tierischen Behältnisse aus und nimmt die Form dieser Behältnisse, das heißt, die Form der tierischen und pflanzlichen Bedürfnisse an, und verstärkt diese mit aller Kraft.

Aber die Weisen bleiben hoffnungsvoll, weil es nicht lange dauern wird, bis das Bewusstsein seine Unbeweglichkeit verliert, zu schmelzen beginnt, sich auflöst und bereit ist, vom Feuer der Weisheit entzündet zu werden. Und sobald das Feuer der Weisheit erscheint, entzündet sich der Dampf und die Weisheit regiert. Auf Befehl der Weisheit verlassen sie die pflanzlichen und tierischen Behältnisse und steigen zum Himmel der Weisheit auf. Dann wird die Ungerechtigkeit verebben, die Dunkelheit verschwinden und die Welt sich aufhellen. Dann endet die Zeit der Herrschaft des Tieres und die Weisheit tritt ihre Herrschaft an. Dann wird die Tierhaftigkeit in ihre Schranken gewiesen und keiner Befehle mehr bedürfen, um andere nicht zu verletzten oder grausam zu handeln, dann ist die Zeit, wenn Wolf und Lamm Seite an Seite liegen.

Nun – nachdem Sie diese einleitenden Ausführungen gelesen haben und mit meiner Art des Denkens vertraut geworden sind –, werde ich Ihre Frage nach dem 20. Jahrhundert beantworten.

Ich betrachte die Welt im 20. Jahrhundert als Kind, das gerade dabei ist, in die Pubertät einzutreten. Sein Bewusstsein nimmt zu und das Wachs dieses Bewusstseins beginnt zu schmelzen. Es besaß gewisse Gewohnheiten, die als Religion bezeichnet wurden, oder andere, die es sich auf anderen Wegen angeeignet hat, wie Humanität, Ehre, Altruismus und so weiter – aber nach und nach wird es sie alle verlieren. Seine formlosen Sinne sind nun unmittelbarer auf die pflanzliche und tierische Natur gerichtet, nehmen ihre Form an und werden stärker. Als Beweis müssen sie nur die Verbrechensstatistik betrachten, die zeigt, dass Mord, Gewalt und sexuelle Straftaten immer mehr zunehmen. Andererseits nehmen Mitgefühl, Güte, Freundlichkeit, Dankbarkeit und andere Tugenden immer mehr ab. Dafür wird die tierische Natur von Tag zu Tag stärker. Wissenschaft und Intelligenz stellen sich in den Dienst der tierischen Charakterzüge, der neuen Herrscher.

Männer sind so sehr von Frauen betört und begehren sie so sehr, dass sie beginnen, wie sie auszusehen. Sie lassen ihre Haare wachsen, benutzen Makeup und tragen dieselben Farben und Kleider wie die Frauen. Aus demselben Grund versuchen Frauen sich wie Männer zu kleiden und wie diese auszusehen. Jugendliche erhalten Sexualkundeunterricht. Männer wählen sich Männer als Partner und Frauen Frauen. Politiker schaffen Gesetze speziell für diese Gruppen. Mädchen und Jungen dürfen jederzeit miteinander umgehen, die Folge sind unzählige uneheliche Kinder. Das Schlechte wird mit dem noch Schlechteren behandelt, indem die Abtreibung legalisiert wird. Manche gehen noch weiter und versuchen wie Tiere auszusehen und zu leben und werden Hippies. Ihr Haar ist ungekämmt und schmutzig, alle menschlichen Züge fallen von ihnen ab, sie trinken Alkohol und konsumieren Narkotika, um sich von den letzten Resten der verbliebenen menschlichen Intelligenz zu befreien.

Die Wissenschaften dienen den Begierden der Tier- und Pflanzenseelen. Viele studieren Ökonomie, um mehr Geld und mehr Nahrung zu erhalten und Methoden zu finden, wie man die Taschen der weniger Intelligenten plündern kann. Die Industrie ist darauf ausgerichtet, immer zerstörerische Waffen zu bauen, damit man andere in Furcht versetzen, sie ausbeuten oder töten, und ihnen alles nehmen kann, was sie haben. Konflikte zwischen Staaten werden inszeniert, damit diese um ihrer Sicherheit willen Waffen kaufen müssen und ihr hart verdientes Geld verschwenden. Dann beginnen sie, sich gegenseitig umzubringen und zerstören alle Lebensfreude; ganze Bevölkerungen verarmen und werden hilfsbedürftig, so dass sie versklavt werden können. Wenn ärmeren Staaten unentgeltlich geholfen wird, dann, um das Lamm für den Schlächter zu mästen, denn wenn ein Land extrem arm ist, gibt es dort nichts zu holen.

Die Unterstützung, die im Namen der Humanität gewährt wird, zahlt sich um ein Vielfaches aus, da man die Rohstoffe der Empfänger zu niedrigen Preisen aufkaufen kann. Aber glauben Sie nicht, dass die Schwachen besser als die Starken sind. Auch sie sind Sklaven ihrer tierischen Natur und sie würden sich genauso verhalten, wenn sie könnten. Der Löwe zerreißt den Fuchs und der Fuchs erwürgt die Hühner. Alle stehen sie unter der Herrschaft ihrer tierischen Natur und die ganze Wissenschaft, die ganze Erkenntnis steht in ihren Diensten.

Im Iran sieht es auch nicht besser aus. Jedermann versucht, sich auf den Stand der westlichen Zivilisation zu bringen. Die Iraner führen Gott und seinen Propheten im Munde, aber das sind nur Lippenbekenntnisse, denen keine Taten folgen. Sie rennen der »Zivilisation« hinterher, aber wenn sie einen Kilometer zurückgelegt haben, sind ihre Vorbilder bereits 100 Kilometer weiter. Die westliche Bevölkerung wird immer im Vorsprung sein und die anderen wie betörte Sklaven in Abhängigkeit halten.

Die anderen Völker, die viel schwächer sind, erkennen, dass sie die Macht und die Wissenschaft des Westens nie einholen werden, daher versuchen sie wenigstens wie dieser auszusehen. Es gibt keine einzige obszöne Verhaltensweise auf der anderen Seite der Welt, die bei uns nicht alsbald Mode wird. Wenn eine närrische Frau dort ein bestimmtes Kleid trägt, tragen es hier bald alle Frauen, die etwas gelten wollen. Im Westen mag der größte Unsinn verkündet werden, bei uns wird er wie eine Offenbarung aufgenommen.

Die einzige Weisheit, die noch etwas gilt, ist die westliche Weisheit. Ebenso ist die westliche Kultur die einzige, die anstrebenswert erscheint. Die eigene Tradition und Kultur wird verachtet. Die größte Ehre für einen Iraner ist es, sich wie ein Abendländer zu kleiden und ohne Akzent zu sprechen, so dass er als Amerikaner oder Europäer gelten kann. In einem Land, dessen Bevölkerung muslimisch ist, werden die teuersten importierten Alkoholika gekauft und Schweinefleisch, das weitaus teurer ist, als Rind oder Lamm – und all das wird den Gästen bei extravaganten Partys vorgesetzt.

Den Kindern versucht man Englisch beizubringen, noch bevor sie ihre Muttersprache gelernt haben. Hohe Gebühren werden bezahlt, damit man sie in Schulen unterbringen kann, an denen nur Englisch gesprochen wird, und wahrscheinlich haben diese Kinder, bis ihre Schulbildung abgeschlossen ist, kein einziges Mal eine Moschee oder eine religiöse Versammlung besucht, um das Wort Gottes zu hören. Solche Eltern sind bereit, alles zu verkaufen, was sie besitzen, um ihre Sprösslinge nach Amerika oder Europa schicken zu können, damit sie dort wie die Europäer oder Amerikaner werden. Das Kind wird, wenn es klug ist, dort bleiben, sich in den Dienst des Westens stellen und seine Eltern, sein Volk und sein Heimatland vergessen. Es wird dort wahrscheinlich heiraten, materiellen Besitz anhäufen und seinen Glauben, seine Religion, seine Nationalität und Ethnizität verlieren. Kurz: Ein solcher Mensch, der mit unserem Brot ernährt und von unserem Wasser getränkt wurde, der auf Kosten unseres Volkes erzogen wurde, wird dem Westen auf einem Silbertablett serviert. Wenn das Kind aber nicht klug ist, dann kommt es zu uns zurück und bringt abstoßende Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen als Geschenk mit. Vielleicht nur einige wenige kehren zurück, die sich das Wissen des Westens angeeignet und gleichzeitig ihre Religion und ihren Glauben bewahrt haben. Diese haben möglicherweise den Willen, ihren Brüdern zu dienen, tragen noch immer die Liebe zu ihrem Vaterland in sich und beginnen in unserem Land zu arbeiten.

Aber es ist erschütternd, die allgemeine Geistesschwäche zu sehen, von der unsere heranwachsende Generation befallen ist, die sie zu Anbetern von Fremden, ihrer Bräuche, ihrer Kultur und Ethik gemacht hat. Sie haben ihnen nicht nur ihre Religion, sondern auch ihre Nationalität und Ethnizität geopfert. Genauso, wie die Gläubigen versuchen, peinlich die religiösen Regeln zu befolgen, auch wenn sie alleine zu Hause sind, so versuchen diese Leute die Fremden peinlich genau nachzuahmen.

Befremdlicher sind jene, die sich als Fürsprecher der Religion aufspielen, aber dem Interpretationsstil der Fremden folgen und diesen Stil und das entsprechende Vorgehen ihren Anhängern als nachahmenswertes Vorbild empfehlen. Wissenschaft wird mit westlicher Wissenschaft gleichgesetzt und Logik mit westlicher Logik. Sie glauben, dass die Regeln des Islam nur aus jenen Vorschriften bestehen, die nötig sind, um die mineralischen, pflanzlichen und tierischen Eigenschaften in uns einzudämmen, um eine geordnete Gesellschaft zu schaffen, während es sich bei diesen Regeln in Wahrheit um Vorbedingungen der Menschwerdung handelt. Daher verstehen sie die eigentliche Intention des Islam nicht. Außerdem behaupten sie, das »Tor der Erkenntnis« zur religiösen Urteilsfindung in diesen entscheidenden Fragen sei verschlossen. Sie haben sich Gott und dem Propheten gleichgestellt, indem sie ihre eigenen Interpretationen und Annahmen den Anleitungen Gottes gleichgestellt haben, und von den Menschen verlangen, ihren Vermutungen gemäß zu handeln, was eine Beleidigung des Islam ist. Sie behaupten, der Islam sei eine lebendige Religion, so dass neue Situationen neue Regeln verlangten, über die der Klerus entscheiden müsse, dessen Vermutungen den Anordnungen Gottes gleichkämen und denen die Menschen folgen müssten.

Wenn sie über diese Aussage nachdenken, werden sie erkennen, dass sie entweder bedeutet, dass Gott für unsere Zeit keine Anleitungen erteilt hat, oder falls er es doch getan hat, dass dann der Prophet versäumt hat, sie uns mitzuteilen, so dass der Klerus diesen Fehler mit Hilfe seiner unvollkommenen Intelligenz korrigieren muss. Dem Propheten war es nicht erlaubt, nach Gutdünken ohne göttliche Offenbarung Anordnungen zu erlassen, und nun gelten die fehlbaren Vermutungen eines Klerus ohne göttliche Offenbarung oder ohne Erkenntnisse, die vom Heiligen Propheten stammen, als religiöse Anleitung für die Gegenwart und diese wird als göttliche Anordnung betrachtet. Auf diese Weise soll der Irrtum der Religion behoben werden und der Islam erneuert und lebendig sein! Ich suche Zuflucht vor dem Zorn Gottes!

Nun gibt es etwa siebzig Verse im Heiligen Koran, die besagen, dass Handeln aufgrund von Vermutungen Blasphemie ist. Was aber tun diese Menschen, die sich ihrem tierischen Geist zugewendet und Gott den Rücken gekehrt haben?

Wie dem auch sei: Das sind die Ansichten der Avantgarde des 20. Jahrhunderts und der entwickelten Gesellschaften, welche die Entwicklungsländer anführen. Und so sieht es in unserm Volk aus, das versucht mit ihnen Schritt zu halten und sie womöglich einzuholen!

Wie ich schon früher bemerkt habe, kommt all dies nicht unerwartet. Vielmehr entspricht es dem natürlichen Verlauf der Dinge. All diese Erscheinungen wurden im Hadith vom Propheten und seiner Familie benannt, beschrieben und vorausgesagt. Vieles von diesen Voraussagen ist heute eingetreten. Sie haben auch gesagt, dass unserem Zeitalter viele Segnungen zuteil werden.

All dies geschieht, weil das Intelligenzniveau der Menschen gestiegen ist und ihr Selbstbewusstsein zugenommen hat. Sie haben Fähigkeiten erworben, die sie früher nicht besaßen.

Und es wird nicht mehr lange dauern, bis sie bemerken, dass ihr ganzes Verhalten in den Niedergang führen wird. Sie werden die Schäden deutlich erkennen. Das Leben wird so unerträglich werden, dass sie anfangen, zu verabscheuen, was sie tun. Sie werden beginnen, nach einem Erlöser Ausschau zu halten – nach jemandem, der sie aus dem Morast herausführt.

Dann wird das Wachs ihrer Intelligenz zu schmelzen beginnen, sich in Dunst auflösen und bereit sein, sich vom Feuer der Weisheit entflammen zu lassen. Dann wird der Erlöser aus seiner Verborgenheit hervortreten – Gott möge seine Ankunft beschleunigen – und sich selbst zu erkennen geben. Genauso, wie ein einziges Streichholz genügt, um einen großen Raum, der mit Benzindampf angefüllt ist, zu Explosion zu bringen, genauso wird sein Erscheinen die Flamme der Weisheit, die er repräsentiert, dazu bringen, die Geistseelen der Menschen zu entzünden, die bereit sind, die göttliche Weisheit in sich aufzunehmen, und ein jeder wird »menschlich« werden, nachdem er zuvor tierisch war.

Eine große Veränderung spielt sich in einer Pflanze ab, wenn eine Tierseele von ihr Besitz ergreift. Wenn nun der Geist der Menschlichkeit, der Geist der Menschheit, die einzelne Geistseele erfüllt, wird die Umwälzung noch viel umfassender sein. So können beispielsweise Tiere sehen und hören, Pflanzen aber nicht. Ebenso werden die Menschen, wenn sie den Geist der Menschheit in sich aufnehmen, viel mehr fühlen und erkennen als jemals zuvor. Dann werden ihnen Verpflichtungen zuwachsen, die dem Menschengeist angemessen sind, die ihnen jetzt noch unbekannt sind. Dann wird sie der Imam über ihre Verantwortung aufklären. Das ist mit der »neuen Unterweisung und dem neuen Buch« gemeint, die im Hadith erwähnt werden, die selbst die Araber nur schwer akzeptieren können.

Wie auch immer, die gegenwärtige Religion, die offenbart und verkündet wurde – und alles was mit den Ohren der Geistseele gehört und verstanden werden konnte, wurde gehört – wird bleiben wie sie ist und dieser Teil der Religion wird sich nicht verändern. Die »neue Unterweisung« ist jener Teil der Religion, den die Ohren des »sprechenden Tieres« nicht vernehmen konnten. Er muss mit den »Ohren des Menschen« gehört werden. Sobald der Geist des Menschen erscheint, wird er diese Stimme hören; genauso, wie die Pflanzen das Licht der Sonne nicht sehen können, das die ganze Welt erfüllt, während die Tiere es können – aber wenn der Tiergeist erscheint, dann kann er das Licht mit den Augen des Tieres sehen.

Nun, der Imam – möge Gott seine Ankunft beschleunigen – , der Imam lebt und sendet das Licht Gottes in die Herzen der Menschen, aber wir sind blind und unsere »menschlichen« Augen haben sich noch nicht aufgetan. Damit wir diese Stufe erklimmen können, müssen wir unseren Geist reinigen und unsere Fähigkeiten verfeinern, auf dass dieser Geist erscheinen kann. In seinem Brief hat er die Menschen angewiesen: »Eure Handlungen sind nicht vor uns verborgen, also unterstützt uns durch eure Moral, durch Standhaftigkeit, Frömmigkeit und stetes Bemühen.« Diese Anweisung bezieht sich auf die Reinigung und Stärkung der Geistseele, die sich auf das Hervortreten des Menschengeistes, die Öffnung des Auges, »das die Wahrheit sieht« und das Aufgehen des Sinnes vorbereiten soll, der IHN wahrzunehmen vermag.

Würden die Menschen dieselben bleiben wie zuvor, und lediglich eine oberflächliche Kenntnis von ihm besitzen, also seinen Namen und seine Vorfahren kennen, sein Verhalten, seine Tapferkeit, seine Großzügigkeit, seine Bescheidenheit, sein Mitgefühl, und andere sichtbaren Vorzüge, dann wäre eine so lange Verborgenheit nicht nötig gewesen. Denn Gott und der Imam, der seine Macht aus Gott schöpft, mussten nicht die richtigen Umstände abwarten, damit der Imam erscheinen und die Heiden vernichten kann. Dies wäre schon am ersten Tag möglich gewesen – aber er will, dass die Menschheit sich erhebt und seine Mission ist es, ihr Entwicklungshelfer und Lehrer zu sein und dies ist nur durch Unterweisung und Beratung möglich, nicht durch Waffengewalt.

Man kann ein Tier durch Drohungen davon abhalten, etwas zu tun, was inakzeptabel ist, aber dadurch wird es nicht zu einem Menschen. Die Verborgenheit des Imam wird andauern, bis dieser wahre Menschengeist entwickelt ist und erscheint. Der Imam hält an seiner Verantwortung fest, mag er auch vor uns verborgen sein, heißt es doch in seinem Brief: »Wir werden euch nicht alleine lassen und uns um euch kümmern.«

Aber das braucht Zeit – genauso wie die Ausbildung eines Kindes zu einem tüchtigen Ingenieur. Das kann man nicht über Nacht erledigen. Ein Lehrer muss angestellt werden, der zuerst Lesen und Schreiben unterrichtet. Dann muss das Kind die weiteren Klassen besuchen, und erhält Lehrer, die ihm schwierigere Dinge beibringen, so dass es nach zwölf Jahren darauf vorbereitet ist, unter der Anleitung eines Meisters die Ingenieurskunst zu studieren. In den vorbereitenden Jahren besteht keine Notwendigkeit, dass der große Dekan es persönlich unterrichtet – andere vorbereitende Lehrer reichen völlig aus. Natürlich richtet der Meisteringenieur den Lehrplan ein und überwacht den ganzen Unterricht, den die anderen wertvollen und geeigneten Lehrer erteilen.

Genauso bedeutet auch die Verborgenheit des Imam nicht, dass er das Haus des Islam nicht überwachen oder sich nicht um es kümmern würde oder dass er sich aus Furcht vor den Feinden irgendwo versteckt hätte. Nein, er geht sorgsam seiner Pflicht nach und leitet die islamische Gemeinschaft. Der Elementarunterricht liegt in der Verantwortung der Religionsgelehrten. Wenn die Intelligenz und das Verstehen der Menschen heranreifen, werden höhere Lehrer den Unterricht übernehmen.

Wenn wir einen Blick in die von schiitischen Gelehrten verfassten Bücher werfen, können wir sehen, wie der Inhalt ihres Unterrichts von Jahr zu Jahr, von Jahrhundert zu Jahrhundert anspruchsvoller wurde. Wie schon bemerkt, hat der Prophet geraten, die Grundlagen zu verbessern – mit der mineralischen Seele anzufangen, dann die pflanzliche Seele zu heben, dann die tierische, dann die Geistseele, dann den heiligmäßigen Geist – schließlich weiterzuschreiten, wohin auch immer sie für angemessen halten. All dies wurde in ihren Diskussionen und Hadith erwähnt.

Zu jeder Zeit haben die Gelehrten soviel erklärt, als es dem Bewusstseinszustand und den Fähigkeiten des Volkes angemessen war. Auf elementarer Stufe haben sie für gewöhnlich Vorschriften behandelt, die sich auf Sichtbares beziehen, oder Vorschriften, die der Erhebung der mineralischen, der pflanzlichen oder der tierischen Seele dienen. Wenn Sie einen Blick in die Bücher der Rechtsgelehrten werfen, werden Sie nach dem, was ich ausgeführt habe, den Sinn all dieser Vorschriften erkennen. So dienen beispielsweise Vorschriften über Reinlichkeit oder Unreinlichkeit, über Waschungen, Kleider, Behausung usw. der Hebung des sichtbaren mineralischen Teils des Menschen. Vorschriften über Essen und Trinken, über reine und unreine Nahrungsmittel usw. der Hebung der Pflanzenseele. Vorschriften über die Urteilsfindung, die Zeugenschaft und unterschiedliche Formen der Bestrafung dienen der Zügelung der Tierseele.

Ebenso dienen die Vorschriften über die Almosen, den Zehnten, und solche, die sich auf Geld und Eigentum beziehen, der Herstellung eines sozialen Gleichgewichts und gelten für alle gesellschaftlichen Schichten. Die Vorschriften über Eheschließung, Scheidung, soziales Verhalten usw. dienen der Linderung der Lebensmühen und dem sozialen Zusammenschluss usw. Vorschriften über den Gottesdienst und das Gebet, die der Hebung der Geistseele dienen, werden nur in der einfachsten Form erläutert, die der Novize verstehen kann; zum Beispiel, wie man unterschiedliche Laute im Gebet aussprechen muss, ob man laut oder leise rezitieren soll, wie man stehen, sich beugen, niederwerfen soll usw. Aber kein Wort findet man in diesen Büchern über die Bedeutung des täglichen Gebets – nur die äußeren Verhaltensweisen beim Gebet werden besprochen.

Aber als das Verständnisvermögen der Menschen wuchs, fingen die Bücher an, die Verehrung des Geistes, das ethische Verhalten und die Suche nach Gott zu besprechen. Und dazu wurde eine neue Klasse von Gelehrten beauftragt, zu denen auch die Weisen und Gelehrten der Hierarchie der Schaichi-Schule gehören. Sie haben vor 160 Jahren zu unterrichten begonnen, und sie haben sich nicht nur mit religiösen Vorschriften beschäftigt, sondern auch mit schwierigeren Unterweisungen und Methoden, die sich auf die Schulung der Geistseele beziehen, die alle aus dem Buch Gottes und der Sunna des Propheten entnommen sind, und durch die Hadith von den Mitgliedern der Familie des Propheten (Imame) überliefert wurden. All dies haben sie in ihren Büchern, Predigten und Vorträgen behandelt und erläutert.

An die 950 Bücher haben sie geschrieben, von denen etwa 800 noch existieren; viele von ihnen sind gedruckt und die restlichen werden noch gedruckt. Über 2000 Predigten und Tausende von Unterweisungen liegen vor, die aufgezeichnet worden sind und nach und nach dem Druck übergeben werden.

All diese Texte enthalten Lehren für die nächste Stufe des religiösen Lebens: für die Suche nach Gott und die Erkenntnis des inneren Wesens der Dinge, für die vertiefte Auffassung Gottes und seiner Eigenschaften, für ein tieferes Verständnis des Propheten und der Imame, ihrer Tugenden und ihres spirituellen Rangs – möge Gottes Segen über ihm und seiner Familie ruhen.

In der Hauptsache enthalten diese Bücher Methoden, die der Vorbereitung und Erhebung der Geistseele dienen, damit sie den Geist des Menschen aufzunehmen und die Imame richtig wahrzunehmen vermag. Die Wirksamkeit der Schaichs und ihr Unterricht ist an sich schon ein Zeichen der bevorstehenden Ankunft des zwölften Imam – möge Gott sie beschleunigen. Es ist wie die Dämmerung, die den Sonnenaufgang ankündigt.

Aber manche engstirnigen Geistlichen, die Elementarunterricht erteilten, und befürchteten, ihre Klassen könnten aufgelöst werden, haben schlichtweg verneint, dass es höhere Klassenstufen gibt. Sie denken, die Begründung des Islam, die Erwählung und Sendung der Propheten und die Offenbarung der Heiligen Bücher, sowie die Erschaffung von Himmel und Erde, seien nur deswegen erfolgt, um einige simple Regeln und Vorschriften über das Verhalten der Frauen bei der Monatsregel oder männliche Waschungen oder über den Handel usw. zur Kenntnis zu bringen!

Sie meinen, man könnte allein aufgrund der Kenntnis dieser simplen Regeln einen höheren Abschluss erlangen oder sie seien die einzigen Lehrer, die es gibt. Sie ignorieren, dass die Erschaffung dieser wunderbaren Welt nicht um dieses kümmerlichen Zieles willen stattgefunden hat. Der Schöpfer dieser Welt hatte viel größere Absichten, und hat alle nötigen Vorbereitungen getroffen und wird sie weiter treffen, um sie zu verwirklichen. Protestieren, Leugnen oder Exkommunizieren führen zu nichts, sie unterminieren lediglich das Ansehen derer, die sich so verhalten, wie es ja bereits geschehen ist. Die Entwicklung schreitet voran und man kann sie nicht zurückdrehen. Gott führt die Völker zu ihrem vorbestimmten Ziel. »Gott lenkt das Schiff wohin er will, selbst wenn der Steuermann sein Hemd zerreißt.«

Wir danken Gott, dass er uns den rechten Pfad durch die Unterweisung der Gelehrten, unsere Schaichs gewiesen, und uns auf das Ziel ausgerichtet hat, das wir nach seinem Willen erreichen sollen. Wir werden das Wort Gottes verkünden, so viel es uns möglich ist, denn dies ist ein tätiges Gebet, das die Ankunft des verborgenen Imam vorbereitet. Und wir beschränken uns nicht auf öffentlich rezitierte Gebete.

Ich komme besser zum Schluss. Ich hoffe, sie können aufgrund meiner Ausführungen unsere Art des Denkens verstehen. Ich schicke Ihnen einige Bücher, die ihnen noch umfassendere Einblicke in die Lehren unserer Schaichs gewähren werden, die natürlich alle aus den Worten unseres Propheten Mohammed und seiner Familie geschöpft sind, möge Gott sie alle segnen.

Gottes Lob sei mit unserem Propheten Mohammed, seiner Familie und seinen Fürsprechern.

Verfasst mit eigener Hand: Abdul Reza, Sohn des Abu’l-Qāsim, Sohn des Zayn al-ʿĀbidin, am Morgen des siebenten Tages im Radschab, im Mondjahr 1391 – Samstag, 28. August 1971.


Die deutsche Übersetzung wurde durch Seyed Hossein Riazimand am Samstagvormittag, dem 7. Juni 2014 in Mainz abgeschlossen. Möge Gott denjenigen beistehen, die den rechten Weg suchen.