VIER PFLICHTEN
(رساله چهار فصل)


Die Anweisungen des großen Gelehrten und göttlichen Weisen der SCHAICHI-SCHULE an seine Gefolgschaft.




Vom
heiligen Weisen
und großen Gelehrten, dem seligen
Haaj Mohammad Karim Khan Kermani
(verfasst im Jahr 1852 n.C.)



Übersetzt von
Dr. Seyed Hossein Riazimand




Heiliger Weiser und großer Schriftgelehrter
Herr Haaj Mohammad Karim Khan Kermani
(1810-1871 n. Chr.)

Bedeutung einiger häufig verwendeter arabischer Worte und Begriffe:

Gott wird als wörtliche Übersetzung für Allah verwendet. Das Wort steht auch für das persische »Khoda«.

Das Wort »Schaikh oder Scheich« hat vielerlei Bedeutungen, hier steht es für einen weisen, gelehrten Älteren. Der Plural des Wortes lautet Mashayekh, gemeint ist die Schaikhi-Gelehrten.

Imam: Spiritueller Führer. Im vorliegenden Text wird der Titel auf den »Führer der Gläubigen«, Alī Ibn Abī Tālib und seine elf Nachfolger angewendet. Nicht zu verwechseln mit »imam«, dem Vorbeter in der Moschee.

Hadith: Berichte und Erzählungen über die Handlungen und Aussagen des Heiligen Propheten und der zwölf Imame, die seine Familie bilden. (Immerwährender Friede sei mit ihnen und ihren Nachfolgern)

Familie: Damit ist die Familie des Propheten Mohammed gemeint, seine Tochter Fatimah, sein Cousin und Schwiegersohn Ali – der Oberhaupt der Gläubigen – sowie ihre elf Nachkommen.

Ethna Aschar: bedeutet im Arabischen Zwölf. Jene, die an die zwölf Imame glauben, werden als Ethna Aschari oder Zwölfer-Imami [Zwölfer-Schiiten] bezeichnet.

Schaichismus (Schaikhismus) oder die Schule der Schaichi bezeichnet die Gefolgschaften von Scheich Ahmad al-Ahsa’i, Seyyid Kāzim Raschti und Hāddsch Mohammad Karim Khan Kirmani und jene »gelehrten Älteren«, die ihnen folgten. Das Hauptmerkmal dieser Schule ist, dass all ihre Lehren auf den Hadith des Propheten Mohammed und seiner Familie beruhen – möge der immerwährende Friede mit ihnen sein.

Inhaltsverzeichnis:


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Einleitung des Autors: Gründe für das Verfassen des Briefes und für die Einteilung seines Inhalts in 4 Abschnitte 7
Abschnitt 1: Das Verhalten gegenüber eurem Gott, dem heiligen Propheten und den zwölf heiligen Imamen, Friede sei mit Ihnen. 12
Abschnitt 2: Das Verhalten gegenüber euren Maschayekh und Gelehrten, denen Ihr in euren religiösen Angelegenheiten folgt oder nicht folgt. 16
Abschnitt 3: Das Verhalten gegenüber Königen und Staaten, welche Sicherheit und Ordnung in der Welt und euren Städten gewährleisten. 28
Abschnitt 4: Das Verhalten gegenüber euren Mitmenschen. 31


Im Namen Gottes des Allerbarmers, des Barmherzigen

So sage ich, Gottes bescheidener Diener, Karim, Sohn des Ebrahim, möge Gott seine Sünden vergeben, dass dies eine Epistel für jene ist, die in ihren Religionsangelegenheiten den hochwürdigen Gelehrten, den verstorbenen Herren Scheich Ahmad Ahsaaii und Seyyed Kazim Raschti folgen und ihnen ihr Vertrauen schenken. Ich verlange von jedem ihrer Gefolgsleute (Mogaledin), dass sie diese Epistel gut aufbewahren und mindestens einmal pro Woche aufmerksam durchlesen und verinnerlichen. Wer von Euch schreiben kann, möge eine Abschrift dieser Epistel anfertigen und aufbewahren. Wer jedoch nicht lesen und schreiben kann, möge sie anderen geben, damit sie eine Abschrift anfertigen und ihnen diese mindestens einmal pro Woche verständlich vorlesen. Möge der barmherzige Gott jene segnen, die von diesem Exemplar, wie oben beschrieben, eine Abschrift anfertigen, diese aufbewahren, ihre Anweisungen in die Tat umsetzen und sie auch an ihre anderen Glaubensbrüder weitergeben, so dass auch sie noch eine weitere Abschrift anfertigen können. Möge Gott ihnen zudem alles geben, was sie sich wünschen und sie im ewigen Paradies mit den zwölf Imamen vereinigen. Wer aber diese Epistel nicht beachtet, seine Religion nicht ernst nimmt, diese Anweisungen nicht in die Tat umsetzt und sich gegen seine Maschayekh (Schaichi-Gelehrten) stellt, soll von Gott, dem Propheten, den zwölf heiligen Imamen, den hochwürdigen Engeln und allen Menschen verflucht sein. Ich selbst bin von ihm angewidert und werde ihn am Tag der Auferstehung in der Gegenwart der zwölf heiligen Imame und des letzten Propheten, des heiligen Mohammad, zur Rechenschaft ziehen. Ich meine damit allerdings nur diejenigen, die behaupten, in ihren Religionsangelegenheiten den beiden genannten hochwürdigen Gelehrten und auch mir zu folgen. Mit anderen Leuten habe ich nichts zu tun und diese habe ich auch nicht gemeint, da sie ihre eigene Aufgabe besser kennen und sich ohnehin nicht an mich wenden.

Heutzutage, müsst ihr wissen, ist es so, dass wenn ihr meine Anweisungen befolgt, die Leute sagen werden: „Möge Gott Karim, den Sohn des Ebrahim segnen, der solch eine gute Gefolgschaft erzogen hat!“ Wenn ihr meinen Ratschlägen jedoch kein Gehör schenkt, werden die Leute sagen: „Gott verfluche Karim, Sohn des Ebrahim, dass er eine solch schlechte Gefolgschaft erzogen hat!“ Nun, so verhält es sich in der heutigen Welt. Wenn hingegen jemand, der den Lehren Anderer folgt, schlimme Taten begeht, wird niemand sagen, sein Lehrer habe ihn so erzogen. Die schlechten Taten einer einzelnen Person fallen in diesem Fall nicht auf die ganze Gruppe zurück. Eure schlechten Taten fallen jedoch sehr wohl auf mich und meine Mashayekh zurück. Dies führt dazu, dass man euch alle, mich selbst und meine Maschayekh (Schaichi-Gelehrten) beschuldigt und tadelt.

Demnach hat eure schlechte Tat drei Konsequenzen:
Erstens: Ihr blamiert euch selbst.
Zweitens: Ihr blamiert eure anderen Glaubensbrüder.
Drittens: Ihr blamiert eure Maschayekh.

Ein frommer Anhänger wird weder sich selbst, noch seine Glaubensbrüder, noch seine Maschayekh durch eine schlechte Tat blamieren.

Meine lieben Glaubensbrüder, ihr sollt wissen, dass euch in dieser Welt vier Pflichten auferlegt sind:
Die erste Pflicht betrifft das Verhalten gegenüber Gott, dem heiligen Propheten und den zwölf heiligen Imamen, Friede sei mit Ihnen.
Die zweite Pflicht das Verhalten gegenüber euren Maschayekh und Gelehrten, denen ihr in euren Religionsangelegenheiten folgt oder nicht.
Die dritte Pflicht das Verhalten gegenüber Königen und Staaten, die die Sicherheit und Ordnung in der Welt und euren Städten gewährleisten.
Die vierte Pflicht das Verhalten gegenüber euren Mitmenschen.

Somit teile ich diese Epistel in vier Abschnitte. Möge Gott all jene mit seiner Barmherzigkeit segnen, die diese Epistel annehmen und in die Tat umsetzen. Wer dies aber nicht tut, gehört weder meiner Moqalled (Gefolgschaft), noch der Gefolgschaft meiner Maschayekh (Schaichi-Gelehrten) an.

ABSCHNITT EINS

Das Verhalten gegenüber Gott, dem heiligen Propheten und den zwölf heiligen Imamen, Friede sei mit Ihnen

Wisset, dass ich euch bezüglich dieses Verhaltens Folgendes auferlege: Versöhnung, Geduld, Vermeiden von Verbotenem, Einhaltung der Pflichten und empfohlenen Gebote (Mostahebbat), Vermeiden des nicht zwingend Verbotenen (Makruhaat), so weit als möglich. Folgt dem heiligen Buch und der islamischen Sunna, weicht nicht von deren Geboten ab, vermeidet jegliche Auslegung eurer Religion aus eigener Willkür sowie Frivolität. Wendet euch nicht von den essenziellen Geboten der Religion und dem Konsens aller islamischen Gelehrten ab. Bekennt euch zu allen Tugenden des heiligen Mohammad und der zwölf Imame, erkennt ihre Nachfolger und Überlieferer an. Dies sind die Voraussetzungen für die Anerkennung eurer Taten bei Gott.

Wisset, O Diener Gottes, dass ihr einiges mit den Tieren gemeinsam habt: Augen, Ohren, Nase, Mund oder andere Körperteile, sowie Essen, Trinken, Fortpflanzung, Freude, Zorn, Bewegung und Ruhe, Schlafen und Wachen. In diesen Gemeinsamkeiten überragt ihr sie jedoch nicht. Eure Vollkommenheit liegt in eurer Menschlichkeit, die Erkenntnis, Geduld, Andacht, Überlegung, Intelligenz, Reinheit und Weisheit umfasst. Also versucht diese Eigenschaften weiterzuentwickeln, damit ihr zu den Menschen gezählt werdet.
Liebe Diener Gottes, wisset, dass Gott euch durch die Scharia zu Verhaltensweisen verpflichtet, die Ausdruck eurer Menschlichkeit sind. Ebenso seid ihr durch die Scharia zur Vermeidung von Verhalten verpflichtet, das Ausdruck eurer tierischen Natur ist und eurer Menschlichkeit widerspricht. Es gibt unzählige menschliche Eigenschaften, die ihr euch aneignen könnt – aber unser Leben reicht nicht aus, sie alle zu erlangen. Versucht deshalb, den Geist der Menschlichkeit in euch zu erwecken, denn wenn dieser in euch erwacht, dann werden all jene Eigenschaften ohne Schwierigkeiten und Mühe wie von selbst in Erscheinung treten. Auch tierische Eigenschaften gibt es unzählige, und wenn eine Pflanze sich diese Eigenschaften aneignen wollte, könnte sie das nicht.
Wenn aber die Tierseele in einem Körper anwesend ist, dann treten die tierischen Eigenschaften in ihm hervor und verstärken sich mit jedem Tag. Wenn nun der Geist der Menschlichkeit in einem Körper erscheint, der eine tierische Seele beherbergt, dann werden sich die menschlichen Verhaltensweisen sogleich zeigen. Wenn jedoch der Geist der Menschlichkeit der Tierseele nicht beisteht, vermag sie sich nur mit großer Schwierigkeit und Mühe einige jener Eigenschaften anzueignen und wird am Ende aus Angst und Gewöhnung in gewissem Maß „gezähmt“, aber niemals wirklich „menschlich“ sein.
Daher müsst ihr Diener Gottes euch darum bemühen, dass der Geist der Menschlichkeit in euch in Erscheinung tritt. Und ein Anzeichen seiner Anwesenheit ist, dass euch menschliche Taten ganz natürlich und ohne Mühe gelingen. Sollte euch dies jedoch nicht gelingen, so bemüht euch wenigstens darum, ein „gezähmtes“ Tier zu sein und euch nicht gegen eure Herren, die zwölf Imame, aufzulehnen und diese durch schlechte Taten und ungebührendes Benehmen zu blamieren.
Wisset, dass ein anderes Anzeichen der Anwesenheit des Geistes der Menschlichkeit in euch eure Gemeinschaft mit „wahren Menschen“ und eure Furcht vor „Tieren“ ist. Wer sich „wahren Menschen“ anschließt – der Gemeinschaft Mohammeds nämlich (möge der immerwährende Friede mit ihnen sein) – ist selbst ein Mensch und der Beweis dafür ist ihre Abneigung gegen ihre Feinde – wer sich aber dieser Gemeinschaft nicht anschließt und keine Abneigung gegen ihre Feinde empfindet, ist nicht menschlich – versucht also zumindest, gut erzogene, gezähmte Tiere zu werden.

ABSCHNITT ZWEI

Das Verhalten gegenüber euren Maschayekh und Gelehrten, denen ihr in euren Religionsangelegenheiten folgt oder nicht

Rechtschaffene Diener Gottes, ihr sollt wissen, dass euer Prophet Mohammad und eure elf Imame (Mögen er und die Seinen in Frieden ruhen) von dieser Welt gegangen sind. Der zwölfte und letzte Imam lebt aus bestimmten Gründen, die nur er kennt, in der Verborgenheit. Man fragte ihn: „Wie sollen wir während deiner Verborgenheit unsere religiösen Anweisungen erhalten?“ Und er gab zur Antwort:
„Ihr sollt euch an die Überlieferer unserer Botschaften wenden, denn sie wurden von mir bestätigt und ich wiederum von Gott.“
Es ist offensichtlich, dass die Verborgenheit unseres zwölften Imam bereits über 900 Jahre andauert und weder die heiligen Weisen Scheich Ahmad al-Ahsai, noch Seyyed Kazem Raschti noch ich waren oder sind unmittelbare Augenzeugen seiner Gegenwart.

Wir haben die Einzelheiten unseres Glaubens von den Erzählern der Hadithe und aus den Handlungen der Imame erfahren, für die laut Schia Gott selbst gezeugt hat. Diese Erzähler der Hadithe der Imame haben seither ihre Botschaften von einer Generation zur anderen weitergereicht, bis sie schließlich zu uns gelangt sind.
Sie also sind Gottes Zeugen gemäß der Schia und es ist unsere Pflicht, ihnen die größte Ehrerbietung zu erweisen, und jede Form einer solchen Ehrerbietung ist wiederum ein Erweis für die Größe des Imam, Friede sei mit ihm.
Nun wird gesagt, dass manche unter euch (d.h unter den Bekennern der Lehre der Schaichi) die Religionsgelehrten und die Erzähler der Hadithe der heiligen Imame herabsetzen. Ich habe das zwar nicht selbst erlebt, aber es wurde mir von anderen berichtet. Seid euch der Tatsache bewusst – Gott, sein Prophet, die Imame (mögen der immerwährende Friede mit ihnen sein) und die Engel seien meine Zeugen –, dass ich und unsere Maschayekh sowohl im Diesseits als auch im Jenseits all jene verabscheuen, die sie herabgesetzt haben oder in Zukunft herabsetzen werden. Nicht weniger Abscheu bringen ihnen die zwölf Imame, der Prophet Mohammed und Gott der Allmächtige entgegen. Denn, wer die schiitischen Gelehrten und Überlieferer der Hadithe der heiligen Imame verhöhnt, verhöhnt die Imame selbst (möge der immerwährende Friede mit ihnen sein) und die Herabsetzung oder Verhöhnung der Imame kommt der Verhöhnung des Propheten und die Verhöhnung des Propheten der Verhöhnung Gottes, der Gotteslästerung, gleich. Wer die Gelehrten ablehnt, lehnt Gott ab. Wer Gottes Belehrungen ablehnt, verfällt der Vielgötterei. Alle Gläubigen, meine Maschayekh und ich selbst verabscheuen die Polytheisten. Wer frühere oder künftige religiöse Meister herabsetzt, ist verflucht, ein Gotteslästerer und Polytheist. Und wenn ein dummer Mensch (gemeint unter der Schaichi Anhänger) eine solche Tat begeht, dann ist er ein Polytheist und klagt seine Brüder und unsere Maschayekh an. Gott möge sein Urteil über solche dummen Menschen, solche polytheistischen Betrüger und Gotteslästerer fällen, die die gelehrten Meister herabsetzen! Denn die Ablehnung des Segens der Gegenwart solcher gelehrten Meister der Schia kommt der Ablehnung eines der großen Gnadenerweise Gottes gleich.

Nun wurde uns aber auch berichtet, dass einige von euch es mit der Verehrung der Person des Maschayekh (des Schaichi-Gelehrten) übertreiben und die Eigenschaften der zwölf Imame, des Propheten Mohammad (möge der immerwährende Friede mit ihm sein) oder gar Gottes auf ihn übertragen. Auch solche Leute sind Polytheisten und Ungläubige. Sie werden von Gott, seinen Propheten und den Heiligen Imamen (möge der immerwährende Friede mit ihnen sein) verflucht und aus der Gemeinschaft der Schiiten ausgeschlossen. Sollte es zutreffen, dass jemand unter euch seinen Maschayekh auf diese Weise verehrt hat oder verehrt, dann ist er ein Ungläubiger, ein Polytheist und ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, dass die Maschayekh und ich ihn verabscheuen.

Außerdem wird mir berichtet, dass manche unter euch mich oder den Maschayekh als den vierten Pfeiler der Religion (Rokne Rabe) betrachten. Wenn eure Vorstellungen auf dem beruhen, was ich gesagt und geschrieben habe und was ich glaube, dann wisst ihr, dass es hier verschiedene Möglichkeiten gibt.

Wenn damit gemeint ist, dass die Gesamtheit der Gelehrten der Schia (alle, die gelebt haben und noch leben werden) den vierten Pfeiler des Glaubens bilden, wobei
der erste Pfeiler die Anerkenntnis Gottes ist,
der zweite Pfeiler die Anerkenntnis des Propheten,
und der dritte Pfeiler die Anerkenntnis der zwölf Imame,
der vierte Pfeiler schließlich die Anerkenntnis der schiitischen Gelehrten, von denen man Interpretationen und Antworten auf seine Fragen erhält, dann bezieht sich diese Auffassung nicht ausschließlich auf meine Person oder meinen Maschayekh, denn alle Gelehrten bilden zusammen den vierten Pfeiler des Glaubens. Alle Gelehrten stimmen darin überein, dass die Menschen, die nach dem Imam gelebt haben, entweder Gelehrte (Mojtehed, Meister) oder Belehrte (Moqqaled, Schüler) waren bzw. sind. Wer selbst kein Rechtsgelehrter (Faqih) ist, muss einen Rechtsgelehrten kennen und sich von ihm belehren lassen. Dies ist mein Glaube und die Anwesenden mögen dies bitte jenen mitteilen, die abwesend sind.

Wenn aber unter der vierten Pfeiler des Glaubens (Rokne Raabe) die Noqaba und Nojaba[1] verstanden werden, also jene, die das Privileg eines direkten Zugangs zum verborgenen Imam besitzen, die über jene besonderen Eigenschaften verfügen, von welchen in den Überlieferungen gesprochen wird, und mich jemand für einen solchen hält, dann werde ich ihn, bei Gott dem Allmächtigen, zurückweisen. Und er soll verflucht sein, weil er mich zu Unrecht erhöht, denn ich bin eines solchen Ranges nicht würdig. Nie ist mir so etwas in den Sinn gekommen und niemals habe ich dergleichen gesagt oder geschrieben – und Gott möge mich verfluchen, falls ich jemals einen solchen Anspruch erhoben haben sollte. Am Tag der Auferstehung aber werde ich diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die solche Lügen über mich verbreiten, und ich werde sie als Ungläubige und Unruhestifter betrachten. Wer aber solche Lügen über Scheich Ahmad Ahsaii und Seyyed Kazim Raschti verbreitet, der möge ebenfalls verflucht sein. Ich schwöre bei Gott dem Allmächtigen, dass ich solche Behauptungen von Seyyed Kazim Raschti niemals vernommen habe, obwohl ich zu seinen engsten Vertrauten gehörte. Wer auch immer einen von diesen beiden als Noqaba oder Nojaba [Führer] bezeichnet, der möge von Gott auf ewig verflucht sein und von ihnen verabscheut werden. Bereits zu ihren Lebzeiten hat man ihnen Derartiges unterstellt, aber sie haben sich stets von solchen Unterstellungen distanziert.

In der Zeit der Verborgenheit unseres zwölften Imam sind die Noqaba und Nojaba ebenso unerkennbar wie der Imam selbst, und jeder, der behauptet, sie zu kennen, ist ein Lügner.

Ich bin mit dem Verhalten, das manche von euch mir gegenüber an den Tag legen, das gegen die Umgangsformen verstößt, die den Gelehrten gebühren, nicht einverstanden. Ich habe dies schon des öfteren auf der Kanzel gesagt und wiederhole einmal mehr, dass ich mich aufgrund des Wissens, das Gott mir zuteil werden ließ, von der Familie der Qajar und dem Qajarfürstentum abgewendet habe. Wer sich gegen mich so verhält, wie gegen ein Mitglied der königlichen Familie, wer sich vor mir verbeugt oder niederwirft usw., der möge von Gott und dem Propheten verflucht werden. Wenn ihr mir nachfolgen wollt, dann müsst ihr euch so verhalten, wie der heilige Prophet Gottes und wie die anderen Meister der Gelehrsamkeit.

Gott hat Salam (Friede sei mit Dir) als die Begrüßungsformel der Gläubigen bestimmt. Wer sich gemäß alter Gepflogenheiten vor mir verbeugt, so wie er es vor meinen Verwandten oder anderen Brüdern tut, der widert mich an.

Gott möge jene verachten, die bei Veranstaltungen, Vorlesungen oder vor den Türen der Moscheen Schlange stehen, um mir ungebührliche Ehren zu erweisen, oder die mir unterwegs hinterherlaufen, nur um an meiner Seite zu sein – ohne dass sie religiöse oder andere Anliegen haben, die man nicht abweisen kann. Wenn wir in der Moschee sind, dann sollte man nach der Beendigung des Gebets auseinandergehen und nicht auf mich warten. Nach einer privaten oder öffentlichen Unterweisung sollte ein jeder sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Ich schwöre bei Gott, dass ich solche Ansammlungen von Verehrern stets verabscheut und verurteilt habe. Lasst mich in Ruhe, damit ich mit zwei oder drei meiner Vertrauten hingehen kann, wohin ich will. Gott möge auch jenen seine Verachtung erweisen, die in meinem Haus Schutz suchen, nachdem sie Unruhe gestiftet haben, oder die versuchen, ihre Konflikte mit den Behörden durch meine Vermittlung zu schlichten, denn ich habe solche Schlichtungen stets verabscheut und tue es noch. Und wenn mich jemand auf der Kanzel oder bei Veranstaltungen mit Ehrentiteln anspricht, die einem Gelehrten nicht zustehen, dann möge Gott ihn mit all seinen Flüchen belegen. Schon des öfteren habe ich dies untersagt und untersage es erneut und sage mich von all diesen Verhaltensweisen los.

Wenn aber meine Feinde mich hinter meinem Rücken verfluchen, wenn sie mich beschimpfen oder behaupten, ich sei vom Glauben abgefallen, dann erwarte ich von euch, dass ihr mir nicht beisteht, sondern, wenn ihr mir einen Gefallen erweisen wollt, dann solltet ihr alles erdulden, so wie ich es erdulde – und wenn jemand einem solchen Übelredner oder seinem Meister mit gleicher Münze heimzahlt, dann möge er von Gott und seinem Propheten verflucht werden.
Wisset, dass der Gott all dieser Menschen einer ist, dass alle denselben Propheten haben und ihr Buch dasselbe ist, dass ihr Glaube derselbe ist, dass ihre Imame namentlich bekannt sind, dass auch ihr Glaube einer ist, und dass es über die Grundlagen dieses Glaubens keine Unstimmigkeiten gibt. Kleinere Meinungsunterschiede über manche Fragen hat es unter den Gelehrten immer gegeben, aber diese führen nicht zu einer Glaubensspaltung, sie stellen kein Unrecht dar und sollten kein Anlass sein, jemanden aus der Gemeinschaft der Gläubigen auszustoßen. Sollte jemand aus meiner Gefolgschaft wegen solcher unwichtigen Fragen einen Streit vom Zaun brechen und sich deswegen von uns abwenden wollen, dann möge er durch Gott und seinen Propheten verflucht werden. Sollten sich aber meine Gegner euch gegenüber feindselig verhalten, dann nehmt es gelassen und geduldig hin. Wenn sie sich jedoch gegen die Scharia wenden, dann tut nicht desgleichen. Lasst Ärger und Empörung hinter euch. Denn jeden der Unrecht tut, trifft der Fluch Gottes und seines Propheten.

ABSCHNITT DREI

Das Verhalten gegenüber Königen und Staaten.

Liebe fromme Diener Gottes, ihr sollt wissen, dass Gott euch durch die Machthaber prüft. Zum Schutz der Städte, Länder und ihrer Einwohner hat er über euch Befehlshaber, Herrscher und Könige eingesetzt, die Macht über euch ausüben sollen. Sein Wille war es, der sie zu Königen, Herrschern und Befehlshabern gemacht hat. Dass ihr ihnen in weltlichen Dingen gehorcht, ist ebenso sein Wille, wie dass ihr eure täglichen Gebete verrichtet, die Armen durch eure Abgaben unterstützt (zakat), fastet und euch auf die Pilgerschaft begebt. Und ebenso, wie es unmoralisch und frevelhaft (haram) ist, diese religiösen Pflichten zu vernachlässigen, so ist auch das Aufbegehren gegen jene unmoralisch und frevelhaft. Ihr seid umso frömmer, je mehr ihr eure religiösen Pflichten beachtet und je mehr ihr euren Herrschern den ihnen gebührenden Gehorsam erweist. Wer diese Pflichten missachtet und ihnen den Gehorsam verweigert, ist schlimmer als die Verächter der Religion und die Ungläubigen. Und dies ist mein Glaube, den ich innerlich und äußerlich bezeuge.

Wer auch immer Gott erkennt, der muss seinen Willen und seine Wünsche am Willen Gottes ausrichten. Wen auch immer Gott zum König macht, den wünscht auch ihr als König. Und wen Gott zum Herrscher macht, den wünscht auch ihr zum Herrscher; und was sein Wille befiehlt, dem folgt ihr. Und wen Gott zum Minister oder Befehlshaber macht, dessen Willen sollt ihr Folge leisten. Und wen Gott zum Amtsträger oder Steuerbeamten macht, den wünscht auch ihr und gehorcht seinen Anweisungen. Und wen Gott zum Richter oder Dorfvorsteher macht, den anerkennt und folgt ihm. Ebenso mit den Treuhändern und Verwaltern und allen anderen, die im Dienst des Königs oder Herrschers stehen, denen ihr Folge leisten und die ihnen gebührende Achtung entgegenbringen sollt.

Ich habe euch schon öfter darauf hingewiesen und tue es hiermit erneut und immer wieder, dass jeder, der dieser Anordnung Gottes den Gehorsam verweigert, von Gott und seinem Propheten verflucht werden wird. Ein frommer Verehrer Gottes ist, wer die Gebote Gottes als Gebote anerkennt und von dem absteht, was er als Frevel bezeichnet hat, und wenn Gott jemanden bestraft, dann deswegen, weil er sich seinen Wünschen widersetzt. Wenn ihr euch also widersetzt und dafür bestraft werdet, dann gebt niemand anderem als euch selbst die Schuld.

Es genügt, was in diesem Abschnitt erwähnt wurde, denn das waren alle Ratschläge, die ich zu diesem Thema erteilen wollte.

ABSCHNITT VIER

Das Verhalten gegenüber euren Mitmenschen.

Liebe gute Diener Gottes, ihr sollt wissen, dass Gott euch so erschaffen hat, dass ihr um des Zusammenlebens willen und zur Erfüllung eurer religiösen und weltlichen Pflichten aufeinander angewiesen seid. Behandelt deswegen seine Geschöpfe gut, gönnt einem jeden, was Gott ihm gewährt hat und folgt einem jeden so weit, wie sein Rang es verlangt. Handelt in euren sozialen Beziehungen, euren Gesprächen und Zusammenkünften gutwillig und seid zu Kompromissen bereit. Je mehr ihr Gott erkennt, um so mehr solltet ihr den Mitmenschen gegenüber gutwillig sein. Jene, die euch an Alter oder Verdienst überlegen sind, müsst ihr entsprechend ehren. Jene, die jünger sind als ihr, oder euch sozial unterlegen sind, sollt ihr freundlich und entgegenkommend behandeln. Wenn sie euch nicht dem Willen Gottes gemäß behandeln, dann zahlt ihnen nicht mit gleicher Münze heim. Beneidet jemanden nicht ob seines schlechten Benehmens. Benimmt sich jemand schlecht, ertragt es und zahlt es ihm nicht heim, lasst Ärger, Leidenschaft und Unwissenheit hinter euch.

Wenn sie euch beschuldigen, dann sagt: »Gott möge mir vergeben, wenn ihr die Wahrheit sagt und er möge euch vergeben, wenn ihr lügt«. Und wenn sie euch auf die eine Wange schlagen, dann haltet die andere hin, und sagt: »Wer sich gegen Gott erhoben hat, verdient mehr als das!« Wenn sie euch androhen, euer Wort mit hundert Worten zu vergelten, dann antwortet: »Wenn ihr hundert Worte sagt, dann werde ich nicht ein einziges sagen«. Wenn jemand euren Glaubensbruder belästigt und ihm wehtut, dann weist ihn an, nicht mit jenem zu streiten, sondern ermahnt ihn zur Ruhe und Besonnenheit und dazu, keinen Widerstand zu leisten.

Schließt euch nicht Gaffern bei Unfällen an und auch keinem Aufruhr. Schürt keine Unruhe im Land des Königs. Denn, wenn ihr ein Feuer anblast, dann wird es umso stärker brennen; wenn ihr es aber nicht beachtet, geht es bald wieder aus. Facht das Feuer des Aufstandes und der Meuterei also nicht an, indem ihr hineinblast, sondern wendet euer Antlitz ab, so dass es erlischt.

Ich möchte euch fürsorglich und liebevoll raten, nicht die Herrscher und Könige um Beistand zu bitten (d.h. keine Anzeige bei den Behörden zu erstatten), wenn euch jemand etwas Schlechtes antut, denn ihre Vergeltung ist zu grausam. Es kann sein, dass die Strafe weit schlimmer ist, als das, was man euch angetan hat und ihr wäret dann schuld an dieser Maßlosigkeit. Wenn aber eure Feinde Anzeige erstatten und Vergeltung verlangen, versucht ruhig, höflich und in klaren Worten euren Standpunkt darzustellen. Ansonsten seid duldsam, denn das wird euch zum Vorteil gereichen.

Versucht in euren geschäftlichen Beziehungen so weit als möglich eure Vereinbarungen in Gegenwart Rechtskundiger oder gerechter und frommer Zeugen aufzuzeichnen und vertraglich zu regeln, damit sie nicht zu Zwietracht und Zweifeln führen.

Wenn die Richter einen Fehler machen und ein Urteil gegen euch erlassen, und ihr unfähig seid, eure Unschuld zu beweisen, dann kritisiert nicht die Richter, denn sie sind nicht unfehlbar oder Hellseher und können ihr Urteil nur auf die vorgelegten Beweise und Zeugenaussagen stützen – wie sollten sie auch anders!

Wenn manche einem anderen Gelehrten (Alem) folgen als dem, den du anerkennst, oder nicht mit dem Imam beten, mit dem du betest, dann schimpf nicht über sie, denn das ist eine rein persönliche Angelegenheit. Wen man für gerecht hält, mit dem betet man, wen man als Gelehrten betrachtet, dem folgt man. Vielleicht haben sie deinen Gelehrten noch nie getroffen und seine Gerechtigkeit oder sein Wissen ist ihnen schlicht unbekannt. Daher können sie auch nicht der Scharia gemäß mit ihm beten oder ihm nachfolgen – was also sollen die armen Leute tun?

Es kann auch sein, dass manche von der Gerechtigkeit und dem Wissen deines Gelehrten zwar wissen, aber dennoch einem anderen Gelehrten folgen oder mit anderen Gerechten (Gelehrten) beten. Die Scharia schreibt nicht vor, dass man nur einer Person folgen oder nur von einer Person im Glauben unterrichtet werden darf. Und es gibt auch keinerlei Vorschriften darüber, dass alle den Unterricht jenes Meisters besuchen müssen, den du dir ausgesucht hast. Ja, die Scharia verpflichtet uns nicht einmal dazu, überhaupt bei einem Meister (Wissenden) zu studieren. Wenn du fromm bist, dann lass alle Leidenschaft und allen Ärger hinter dir, spiel nicht mit deinem Glauben und missbrauch ihn nicht durch deine Sturheit.

Ich habe es des öfteren gesagt und wiederhole es noch einmal: Solltet ihr euch nicht an meine Anweisungen halten, dann beruft euch nicht auf unsere Maschayekh (auf den Schaichismus) und schreibt ihnen nicht eure schändlichen und ehrlosen Taten oder Verhaltensweisen zu. Die Zeiten haben sich geändert. Die Leute rechnen die schlechten Taten der Anhänger anderer Gelehrter nicht diesen Gelehrten zu, aber sie glauben, all eure schlechten Taten unseren Maschayekh zurechnen zu dürfen. Deswegen achtet Gott und blamiert eure Gelehrten und Wissnden (Olama) nicht. Wisset, dass selbst eure kleinsten Fehler deutlich sichtbar werden, da niemand etwas Schlechtes von euch erwartet, während das schlechte Verhalten anderer vertuscht wird.

Ich habe noch eine weitere Bitte. Vermeidet jegliche Diskussion über religiöse Themen (Diskussionen, in denen ihr den Standpunkt des Schaikhiismus verteidigt und zu beweisen versucht, dass die Überzeugung der Schaikhismus richtig sind und die anderen falsch) und sucht nicht bei irgendwelchen Leuten nach der Lösung eines x-beliebigen Themas, denn „bestimmte Worte erfragt man bei bestimmten Gelehrten und jeder Punkt hat seinen Ort“ (persisches Sprichwort). Ihr habt nicht alles gelernt und ihr kennt nicht die genauen Wortstellungen. Selbst wenn ihr etwas richtig erklärt, ist eure Erklärung nie vollständig (der tieferen Bedeutung nach). Wenn ihr etwas unsinnig und unrichtig erklärt, dann erweckt ihr eine falsche Vorstellung von Gott. Alles was ihr sagt, werden die Leute als Lehren eurer Maschayekh auffassen. Und was ein Einzelner von euch sagt, wird gleich allen anderen (Schaichi) zugeschrieben. Überall würde verbreitet, dass dies der Glaube der Schaikhismus sei. Einer von euch könnte aus Unverständnis etwas sagen, wovon die Ulama und eure anderen Glaubensbrüder angewidert sind. Daher lasst euch von vornherein auf keine Diskussion mit anderen ein, damit durch euch kein schlechtes Licht auf die Maschayekh fällt.
Ich kann nicht all eure Probleme lösen – ebenso wenig wie der Prophet Gottes (sein heiliger Mohammad) alle Probleme seines Volkes lösen konnte oder die zwölf Imame diejenigen ihrer Schüler oder unsere Maschayekh jene ihrer Gefolgschaft. Der Gesandte Gottes (AS), der 23 Jahre lang mit seiner gewaltigen Zunge, seiner mächtigen Hand, mit dem Schwert und der Peitsche seine Anhänger und sein ganzes Volk zu sich gerufen hat, konnte nur vier Menschen – nämlich Salman Farsi, Abusar Gefari, Meqdad und Ammar Yasser – von Heuchelei und Streit abhalten, während alle übrigen sein Missfallen hervorriefen und von ihm wegen mancherlei Verfehlungen gescholten wurden. Wie also soll ich mit meiner ungelenken Zunge, meiner schwachen Hand und meinen geringen Fähigkeiten all eure Probleme lösen?
Dennoch – Gott weiß es – habe ich mir bei eurer Erziehung keine Nachlässigkeit zuschulden kommen lassen. Ich habe es des öfteren gesagt und sage es noch einmal und immer wieder. In diesem Schreiben habe ich alles zusammengefasst, wie schon in einem früheren Schreiben, das ich euch aus Yasd (eine Stadt im Zentral Iran) geschickt habe, an das ihr euch ebenso wenig gehalten habt. Doch ihr müsst selber wissen, was ihr tut. Wenn ihr gläubig seid und euch nicht aus Heuchelei zu den Maschayekh bekennt, dann folgt wenigstens von jetzt an den Anweisungen dieser Epistel. Ich bin von allen angewidert, die meine Epistel erhalten und sich dennoch, zur Schande ihrer Maschayekh, aus Leichtsinn oder mangelnder Kenntnis ihrer Religion, nicht an sie gehalten haben.

Durch die Vollmacht des Propheten Mohammad und seiner Familie, der Herren der Schöpfung, möge Gott dir und uns bei der Erfüllung unserer religiösen Pflichten, beim Vermeiden von Aufruhr gegen seine Wünsche und dem Verzicht auf Sünden beistehen. Ich suche Zuflucht beim Herrn der Schöpfung und halte mich an den Herrn der Macht und Größe, den Unsichtbaren, und strebe allem zu entfliehen, was ich fürchte und um meines Glaubens und meines Leibes willen vermeiden möchte, womit Gott mich aufgrund meiner Schlechtigkeit und um deinetwillen heimsuchen könnte.

Möge der Herr sein heiliger Mohammad und seinem unschuldigen Volk Ehre und Glück gewähren und sein Fluch über all ihren Feinden sein. Nichts ändert sich oder hat Macht über sich, es sei denn, Gott der Allerhöchste gewährt es ihm.

Damit endet dieses edle und kostbare Testament, das nach meiner Schreibweise, Karim, des Sohns von Ebrahim (möge Gott meine Sünden vergeben) am 21. Dezember 1852 n. Chr. = 09. 03. 1269 (nach dem Mondkalender) vollendet wurde.

Der Text wurde übersetzt von Seyed Hossein Riazimand unter Mitwirkung von Lorenzo Ravagli.


[1] Die Auserwählten Gottes, die unter den Menschen leben, bilden zwei Gruppen:.
Die erste Gruppe nennt man NOQABA. Sie besitzen einen Thron und übernatürliche Kräfte. Durch die Kraft und den Willen Gottes haben sie Macht über alles in der Welt. Alles steht unter ihrem Kommando. Die Befehle der Imame (Friede sei mit ihnen) werden durch sie sowohl in dieser Welt als auch in jener Welt vollstreckt. Die zweite Gruppe nennt man NOJABA. Sie besitzen zwar keine übernatürlichen Kräfte, keine Macht und keinen Thron, dafür sind sie Träger des Wissens der zwölf Imame. Sie unterrichten die Menschen in Wissenschaft und Religion.
Diese zwei Gruppen sind Führer der Menschen, sowohl in dieser als auch in jener Welt. Denn in dieser Welt sind sie Führer und Lehrer, im Jenseits Minister und Helfer. Durch sie werden die Gläubigen gerettet und die Ungläubigen vernichtet. Sie bringen durch die Erlaubnis und aufgrund des Befehls der zwölf Imame jeden, den sie möchten ins Paradies oder in die Hölle.(Dieser Erklärung stammt von der Autor dieses Buches, die ich von seinem BuchFührung der Kinder zum Rechten Weg“ zitiert habe.)